Schlichterin: Die meisten Fälle löst sie "zwischen Tür und Angel"

Seit reichlich einem Jahr schlichtet Janet Noack Streitfälle in Glauchau. Für die Friedensrichterin ist es ein Erfolg, wenn es gar nicht erst zum Schiedsverfahren kommt. Das gelingt ihr ziemlich oft.

Glauchau.

Am häufigsten sind "Tür-und-Angel-Fälle". Die Friedensrichterin Janet Noack nennt Probleme so, die sie in ihrer Sprechstunde im Glauchauer Rathaus oder bei Vor-Ort-Terminen rasch ausräumen kann. Seit sie vor reichlich einem Jahr die Position der Friedensrichterin übernahm, klärt sie im Schnitt bei ihrer monatlichen Sprechstunde zwei Angelegenheiten. Für die Bürger ist das kostenlos. Janet Noack ist Schlichterin im Ehrenamt.

Zaun, Baum, Ast: Wenn dann das Laub auf die falsche Grundstücksseite fällt, kann daraus ein typischer Fall für die Schiedsstelle werden. Hier geht es nicht um die großen Verbrechen, die Fälle für "Tatort", Polizei und Gericht. Häufig sind Nachbarn die Kontrahenten, es geht um Beleidigungen, Missverständnisse, fehlende Kommunikation. Sitzen die Streithähne bei der freundlichen Frau Noack am Tisch, gelingt die Einigung meist schnell. Dass ihre Hilfe nachhaltig ist, zeigt sich daran, dass bisher keiner wiedergekommen sei: "So etwas wie Stammkunden habe ich nicht."

Woher nimmt sie ihr psychologisches Besteck, ihre Menschenkenntnis? Da fällt der Name ihres Mentors, des früheren Glauchauer Friedensrichters Bernd Döhler, an dessen Grab sie vor einem Jahr die Trauerrede vorgetragen hat. "Ich habe 2005 an der Seite von Herrn Döhler als Protokollführerin begonnen", berichtet Janet Noack. Seine Kenntnisse, sein Gesprächsgeschick bewundert sie bis heute, davon habe sie viel gelernt. "Es geht eben nicht nur um Fachwissen - viel wichtiger ist, dass man einen unverstellten Blick bewahrt, die Dinge neutral und realistisch betrachtet. Wir sind Schlichter, nicht Richter." Die richtige Ansprache mache eine Menge aus: "Mittlerweile habe ich ein ganz gutes Gefühl für die Charaktere der Leute, die zu mir kommen."

Rechtsauskünfte erteilt die Friedensrichterin nicht, das ist tabu. Führt das "Tür-und-Angel-Gespräch" nicht zum Erfolg, beginnt auf Wunsch des Antragstellers ein förmliches Schiedsverfahren. Janet Noack holt die Beteiligten an einen Tisch, trägt den Antrag und die Schlichtungsregeln vor, hört beide Parteien an. Kommt es zur Einigung, wird diese im Protokoll festgehalten. Allerdings ist das förmliche Verfahren eher die Ausnahme als die Regel - ein- bis zweimal im Jahr.

Hauptberuflich ist Janet Noack in der Crimmitschauer Stadtverwaltung für das dortige Theater verantwortlich. Ihr Ehrenamt versieht sie in der Heimatstadt. Die Schiedsstelle wird vom Stadtrat für die Dauer von vier Jahren besetzt, die laufende Wahlperiode endet 2019. Seit Bernd Döhlers letzter Ernennung vor drei Jahren stand Janet Noack ihm als Stellvertreterin zur Seite, im vorigen Jahr tauschten sie die Position. "Er fand, es sei Zeit dafür, und ich freute mich über sein Vertrauen", sagt Janet Noack. Dass ihr Mentor nur noch einen Monat leben würde, hätte sie damals nicht im Mindesten geahnt.

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