Schnelles Netz im ganzen Kreis: Langsam rückt es näher

Bei der Breitbandversorgung in der Region soll es keine Lücken mehr geben. Statt unrentabler Einzelaufträge kümmert sich das Landratsamt jetzt um das ganze Paket. Allerdings macht nicht jeder Ort mit.

Glauchau/Meerane.

Mehr als zwei Drittel der privaten und gewerblichen Internetnutzer im Landkreis Zwickau können mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/Sekunde im weltweiten Netz arbeiten. Das ist bereits die beste Versorgung im Freistaat Sachsen - und dennoch gibt es reichlich "weiße Flecken" auf der Breitband-Landkarte. Vor allem abgelegene und wenig bewohnte Straßen waren bisher für die Telekommunikationsanbieter unwirtschaftlich: Hoher Aufwand für den Ausbau war mit wenigen Einnahmen bringenden Anschlüssen verbunden. Doch jetzt hat der Landkreis die Lösung gefunden: Er kümmert sich statt der einzelnen Städte und Gemeinden selbst um die Versorgung.

Angestrebt wird eine vollständige Abdeckung mit schnellem Internet, wie die Leiterin des Amtes für Kreisentwicklung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, Annegret von Lindeman, jüngst im Kreistag sagte. Städte und Gemeinden sollen den Breitbandausbau in die Hände des Landratsamtes legen und auf eigene Aktionen, speziell die Beantragung von Fördermitteln, verzichten. Damit ersparen sie sich in der Regel auch vergebliche Mühe. "21 Kommunen haben nur geringe Chancen, Einzelprojekte durchzuführen", sagte die Amtsleiterin. Das Interesse an dem Angebot ist groß. 28 der 33Kommunen Westsachsens werden sich am Markt- erkundungsverfahren beteiligen. 26davon haben inzwischen erklärt, auch am Vorhaben selbst teilzunehmen. In einem ersten Schritt wird derzeit bis in den letzten Winkel des Landkreises genau festgestellt, wo Ausbaubedarf besteht. Bis Juli sollen die Ergebnisse vorliegen und ausgewertet werden. Laut Annegret von Lindeman könnten dann im August die ersten Förderanträge gestellt werden. Allerdings soll erst im Oktober 2020 mit der Verlegung von Glasfaserkabeln begonnen werden. "Angesichts der Auftragslage im Tiefbau wird es vermutlich nicht ganz einfach, Firmen zu finden, die die Gräben ausheben", begründete Landrat Christoph Scheurer (CDU), warum es nicht schneller geht. Insgesamt rechnet der Landkreis mit Kosten von bis zu 90 Millionen Euro, von denen der größte Teil jedoch als Fördermittel von Bund und Land zur Verfügung stehen soll. Die Vorbescheide liegen bereits vor.


Der Landkreis steuert das Vorhaben und wird auch die notwendigen Ausschreibungen vornehmen. Die Kommunen sind dann vertraglich an das Projekt gebunden. Ein Ausstieg ist nicht vorgesehen - und wenn, dann nur bei Übernahme aller angefallenen Kosten. Waldenburgs Bürgermeister Bernd Pohlers (Freie Wähler) ist froh, dass die Hemmnisse, denen die Städte und Gemeinden unterworfen waren, damit jetzt beseitigt sind. Zwar habe die Telekom das Netz in den vergangenen Monaten ausgebaut: "Weiße Flecken bleiben aber dennoch", sagte Pohlers. Die wollte die Stadt eigentlich selbst mit Fördermitteln beseitigen. "Ich gebe den Fördermittelantrag aber jetzt zurück", sagte er im Kreistag.

Doch nicht alle Kommunen machen mit. So nehmen Hartenstein, Langenweißbach, Lichtentanne und Meerane an der Markterkundung nicht teil und führen eigene Projekte fort. Wildenfels und St. Egidien setzen darauf, dass Telekommunikationsunternehmen auch so eine vollständige Netzabdeckung herstellen. In Wildenfels ist das nach Angaben aus der Stadtverwaltung bereits erreicht.

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