Schützenkönigin von Glauchau

Die "Privilegierte Schützengesellschaft 1551" hat statt eines neuen Königs eine Königin. Und die kann nicht nur mit der Armbrust umgehen.

Glauchau.

Simona Jablonski lacht. "Die Frauensportgruppe mit der Iso-Matte ist nicht so meins. Ich hab' mir gedacht, ich mische mal die Männer auf", scherzt sie. Doch im vierten Jahr ihrer Mitgliedschaft in der "Privilegierten Schützengesellschaft Glauchau 1551" tat die 53-Jährige eben das tatsächlich. In Vorjahren hatte sie beim Armbrustschießen zum traditionellen Vereinsfest schon den zweiten Platz geholt. Doch 2018 hat der Verein als Schützenkönig eine Schützenkönigin.

Drei Pfeilbolzen auf drei in zehn Meter Distanz aufgestellte Scheiben. Zack, zack, zack - holte die Versicherungsunternehmerin am Wochenende 28 von 30 möglichen Ringen, sie traf also immer die zehn Ringe zählende Mitte, oder nur knapp daneben. "Hut ab, das ist ziemlich gut", sagt Vereinschef Frank Reuter, der sich über den Erfolg des weiblichen Nachwuchses freut.

Apropos Nachwuchs - ganz unerfahren war Simona Jablonski nicht, als sie vor über drei Jahren mit dem Schießen im Verein begann. Die Armbrust kommt bei ihr übrigens nur zum Vereinsfest zum Einsatz. An sich schießt sie mit der Kleinkaliber-Pistole oder dem Gewehr. Lieblingsgerät ist ihre schmucke "Hämmerli x-Esse" Sportpistole. "Die gleiche haben mehrere im Verein. Die ist nicht so schwer, eine richtige Frauenpistole", sagt sie. Mit dem Gewehr hatte sie schon Erfahrung, bevor sie in den Verein eintrat. Als Jugendliche schoss sie in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST). "Da gab es den militärischen Mehrkampf, ein Wort das man gar nicht in den Mund nehmen mag", sagt Simona Jablonski. Es klinge so martialisch. "Wir fuhren zu DDR-Meisterschaften. Im Winter gab es Biathlon, im Sommer Geländelauf. Da gab es schon neckische Sachen", erinnert sie sich.

Doch dann kamen Studium, Mann und Kinder. Familie und berufliche Pflichten ließen kaum mehr Zeit fürs Hobby ... bis vor einigen Jahren der Trainer wieder anklopfte: Fang doch wieder an! Sie tat's - und ist begeistert. "Das Schöne am Schießen ist, dass man völlig abschaltet. Es ist ein bisschen meditativ." Manch frotzelnde Sprüche könne man durchaus abwandeln: "Wer kocht, wer backt, wer schießt, der kriegt keinen Burn-out", sagt Simona Jablonski. Allerdings betont sie, dass für sie nur sportliches Scheiben-Schießen infrage komme. "Mein Mann ist Jäger, aber auf Tiere schießen könnte ich nie." Ihr gehe es um den Wettbewerb mit sich selbst. Was damit gemeint ist? Wenn man schlecht schießt, gibt es eben nur einen, der das zu verantworten hat, den Schützen selbst. Ob es ein gutes oder schlechtes Ergebnis wird, hänge schlicht davon ab, wie gut das Abschalten gelinge. "Oder auch mal davon, wie lange ich vorher in den Computer geguckt habe und die Augen so drauf sind", sagt Simona Jablonski.

Wenn manche über ihren Sport die Nase rümpfen, kann Simona Jablonski das nicht wirklich verstehen: "Denn beim Biathlon sitzen ja viele dann doch vorm Fernseher und schauen zu."

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