So sind die Feuerwehren vorbereitet

Auch die Retter im Landkreis müssen sich teils neuorganisieren - mit Notquartieren, neuen Aufgaben und Routinen.

Landkreis.

Auf die theoretische und praktische Ausbildung wird aktuell in den Feuerwehren im Landkreis Zwickau verzichtet. Auch die Arbeit der Jugendfeuerwehren ruht. "Dadurch soll das Infektionsrisiko der Kameraden reduziert werden", sagt Nils Eichhorn, Leiter des städtischen Feuerwehramtes und Chef der Berufsfeuerwehr in Zwickau. Im Feuerwehramt trifft sich täglich eine Arbeitsgruppe, um die Situation zu bewerten. Die Trennung von Feuerwehr und Leitstelle am Standort an der Crimmitschauer Straße soll zur Kontaktreduzierung beitragen. Eichhorn: "Kameraden und Mitarbeiter sind angehalten, Hygiene- regeln einzuhalten und soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren."

Mehr als 3500 aktive Mitglieder gehören zu den freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Zwickau. Auf die Frauen und Männer könnten in Zeiten der Corona-Krise möglicherweise zusätzliche Aufgaben zukommen. "Denkbar wäre, dass wir unser Einsatzleitfahrzeug für Lautsprecherdurchsagen nutzen", sagt der Werdauer Gemeindewehrleiter Henning Tröger. In Glauchau teilt Rathaussprecherin Bettina Seidel mit, dass "wir bei konkreten Anfragen prüfen, ob und in welchem Umfang auch Sonderaufgaben übernommen werden können." Die Brandschützer werden zum Teil auch angefordert, um Türnotöffnungen oder Tragehilfen vorzunehmen. Falls klar ist, dass es sich um positiv auf den Coronavirus getestete oder in häuslicher Quarantäne untergebrachte Personen handelt, sollen die Helfer laut Seidel "für den Eigenschutz eine entsprechende Schutzausrüstung tragen." Ein Transport mit Patienten mit Atemschutztechnik sei aktuell nicht angedacht, heißt es unter anderem aus Zwickau, Hohenstein-Ernstthal und Crimmitschau.

Bereits Mitte vergangener Woche wurde in Zwickau die Rettungswache der Berufsfeuerwehr vorläufig ausgelagert. Laut Stadtverwaltung rücken die Helfer nun mit den Rettungswagen und dem Notarzteinsatzfahrzeug aus dem Gebäude der dortigen Freiwilligen Feuerwehr im Stadtteil Auerbach aus. "Die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr Zwickau-Auerbach ist weiterhin sichergestellt. Allerdings wird auch hier eine strikte räumliche Trennung zwischen dem Bereich des Rettungsdienstes und der Feuerwehr eingehalten", teilte Stadtsprecherin Heike Reinke mit.

Auch einige Kilometer östlich am Sachsenring hat der örtliche Rettungsdienst des DRK in der Vorwoche ein vorübergehendes Quartier im Medical-Center der Renn-strecke bezogen, nachdem mehrere Corona-Infektionen im Team der DRK-Geschäftsstelle bekannt geworden waren und die Rettungswache als Vorsichtsmaßnahme in zwei Teams aufgesplittet worden war.

Die Helfer der Feuerwehr rücken teilweise auch schon mit weniger Personal zu den Einsätzen aus - zum Beispiel, wenn eine Ölspur beseitigt oder ein umgestürzter Baum mit der Kettensäge zerkleinert werden muss. "Um Infektionen innerhalb der Feuerwehr zu verhindern, wurden die Fahrzeugstärken reduziert und es werden Routinedesinfektionen durchgeführt", sagt mit Claudia Singer die zuständige Fachbereichsleiterin in der Stadtverwaltung in Hohenstein-Ernstthal. In Werdau appelliert Henning Tröger zudem an die Verantwortung der Führungskräfte. "Sie sollen Einsatzkräfte, die nicht mehr benötigt werden, wenn wir beispielsweise einen Brand unter Kontrolle haben, früher als sonst nach Hause schicken", sagt der Gemeindewehrleiter, der auf ein weiteres Phänomen verweist: Da auch Mitglieder von freiwilligen Feuerwehren von ihren Arbeitgebern in Kurzarbeit geschickt worden sind, ständen tagsüber plötzlich mehr Leute als vor der Corona-Krise zur Verfügung. (mit kru)


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