So soll der Gefängnis-Neubau in Zwickau aussehen

Mit dem Ende der Planungsphase ist nun die Anordnung der Gebäude auf dem Gelände der Zwei-Länder-Justizvollzugsanstalt geklärt. In einem Jahr soll der Baubeginn erfolgen.

Zwickau/Dresden.

Die letzten Hürden bei der Planung der gemeinsamen Justizvollzugsanstalt (JVA) für die Bundesländer Sachsen und Thüringen in Zwickau scheinen überwunden zu sein. Wie das Dresdner Finanzministerium gestern mitteilte, hat die zuständige Baukommission den jeweiligen Ländern empfohlen, die Baukosten von 171,5 Millionen Euro im Haushalt zu genehmigen. Zudem hat die Behörde erstmals öffentlich Bilder vorgelegt, die zeigen, wie das Gefängnis einmal aussehen soll. Als Baustart ist demnach Mitte 2018 vorgesehen. Die Inbetriebnahme der 820 Haftplätze wird weiterhin für 2020 erwartet.

Nach den vorliegenden Plänen hat man sich auf ein Konzept mit sogenannten Funktionsbändern verständigt. Das sind Abschnitte im Gelände, auf denen Gebäude und Einrichtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten entstehen sollen. Unmittelbar hinter der nördlichen Mauer werden demnach eine Gärtnerei und Arbeitsbetriebe eingerichtet. Im mittleren Teil der Haftanstalt sollen sich Hafthäuser mit Freistundenbereichen und Grünanlagen abwechseln. Im Süden schließt sich an ein grünes Band ein multifunktionaler Sport-, Schul- und Kirchenbereich an, der auch die Verwaltung und einen Besucherbereich umfasst. Alle Gartenflächen sollen von den Häftlingen selbst gepflegt werden.


Das Baufeld auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks im Zwickauer Stadtteil Marienthal ist bereits vollständig beräumt. Der Abriss der alten Gebäude hatte mehr Mühe gemacht als erwartet, da die Grundmauern teils bis zu fünf Meter in die Tiefe reichten. Laut eines Ministeriumssprechers sei nun aber sichergestellt, dass man beim späteren Bau störungsfrei arbeiten könne. Auch auf die Gesamtkosten habe das keinen Einfluss gehabt.

Verteuert hatte sich das Projekt schon im vergangenen Winter, als die Kosten aufgrund neuer Berechnungen um 59 Millionen Euro in die Höhe schossen. Kritiker des Baus rechnen zudem immer noch damit, dass die veranschlagten 1,6 Millionen Euro für die Bereinigung der Altlasten im Untergrund nicht reichen werden. Ganz andere Sorgen hat der Zwickauer CDU-Landtagsabgeordnete Gerald Otto: Er befürchtet einen Imageschaden, wenn die JVA nach dem Standort Zwickau oder Marienthal benannt wird.

Die Bürgerinitiative "Nein zur JVA in Zwickau-Marienthal", die kürzlich vor Gericht mit einer Klage gegen das Gefängnis gescheitert war, hat noch nicht entschieden, ob sie weiterkämpft. Noch liege die schriftliche Urteilsbegründung nicht vor, sagt Sprecher Lutz Reinhold. Die ersten Bilder des Baus kommentiert er zynisch: "Offenbar können wir uns auf ein Feriendorf mit kleinen Zäunchen freuen." Er kritisiert, das Ministerium wiege die Bürger in falscher Sicherheit.


Kritik an fehlender Therapie

535 Beschäftigungsplätze sollen in der neuen JVA entstehen, unter anderem in einer eigenen Gärtnerei und einem Kunstarbeitsbetrieb. Darüber hinaus sind Sportplätze, eine Bibliothek und Freizeiteinrichtungen vorgesehen. Das Justizministerium verzichtet allerdings auf eine Suchttherapiestation, sehr zum Unmut der in Zwickau geborenen Grünen-Landtagsabgeordneten Katja Meier. "Weil von 3600 sächsischen Strafgefangenen 900 als crystal-abhängig gelten, sind weitere Therapieplätze dringend geboten", sagt Meier. (ael)

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