Sorge um Coronavirus

146 chinesische Studierende sind an der Westsächsischen Hochschule Zwickau eingeschrieben. Wie reagieren sie auf die Lage in der Heimat?

Zwickau.

Wenn Yuhong Liu in diesen Tagen zum Telefon greift, um Familie und Freunde in China zu kontaktieren, ist ihr schon ein wenig bange. "Jeder macht sich Sorgen, wenn man die Nachrichten liest. Ich natürlich auch", sagt die 26-Jährige, die seit 2016 an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) studiert. Die Stimmung zum Chinesischen Neujahrsfest, das Ende Januar begangen wurde, war in diesem Jahr durch den Ausbruch der Lungenerkrankung Covid-19 getrübt.

Yuhong Liu stammt aus der Millionenstadt Nantong in der Provinz Jiangsu, 650 Kilometer Luftlinie von Wuhan entfernt. Über WeChat, einen Onlinedienst mit mehr als einer Milliarde aktiven Nutzern, ist sie ständig in Kontakt mit ihren Lieben daheim. "Ihnen geht es bis jetzt gut. Dort ist es nicht so schlimm wie in Wuhan. Sie bleiben trotzdem meist zu Hause und gehen selten raus", erzählt die junge Frau. "Mein Papa arbeitet in einem Krankenhaus, aber in seinem Bereich gibt es nur einen bestätigten Infektionsfall."

Die Virus-Ausbreitung ist ein Thema unter chinesischen Studierenden. "Bis jetzt habe ich noch von keinem erfahren, dass jemand aus einer Familie infiziert ist", sagt Yuhong Liu. Trotz der Sorgen haben alle ihre Prüfungen gemeistert. Bei der Einhaltung der Traditionen zum Frühlingsfest beschränkte man sich auf ein Rumpfprogramm. Liu: "Wir haben Jiaozi (Teigtaschen) gemacht und uns die Fernsehübertragung der Neujahrsgala angeschaut."

Kommilitonen und Mitarbeiter der Hochschule zeigen keine Veränderung im Umgang mit den Studenten aus China. "Die sind offen und aufgeschlossen wie immer", meint die 26-Jährige, die mit Mann und Tochter (2) in Leubnitz lebt. Von Fußgängern gebe es manchmal einen skeptischen Blick, aber verbale Angriffe, wie sie mehrfach aus anderen Ländern gegenüber asiatisch aussehenden Menschen vermeldet wurden, habe sie nicht erlebt.

Die WHZ hat Vorkehrungen getroffen. "Wir haben uns einen Überblick verschafft und sind ständig dabei, die Lage zu beobachten, um schnell reagieren zu können", erklärt Adriana Slavcheva, Leiterin des International Office der WHZ. Deutsche Studierende, die zeitweise an Partnerhochschulen in China weilen, seien aufgefordert worden, zurückzukommen. "Wir haben alle gebeten, zur Sicherheit in den ersten zwei Wochen nach der Rückkehr zu Hause zu bleiben, ihre Lage zu beobachten, um keine Risiken einzugehen", berichtet Adriana Slavcheva.


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