SPD-Frau buddelt mit im Sandkasten

Kita statt Plenarsaal: Ein Perspektivwechsel hat einer Landtagsabgeordneten interessante Eindrücke beschert.

Meerane.

Sie putzt mit einem Taschentuch die Nase eines Mädchens ab, schlichtet einen Zoff zwischen zwei kleinen Streithähnen und hilft einem Jungen beim Einfädeln des Reißverschlusses an der Jacke: Die Landtagsabgeordnete Iris Raether-Lordieck (SPD) hat am Montag einen Arbeitstag als Erzieherin in der Kindertagesstätte "Buratino" an der Oststraße in Meerane verbracht.

Ihr Einsatz begann 7.30 Uhr. Am frühen Nachmittag hat sich die Limbach-Oberfrohnaerin von den Kindern und Mitarbeitern verabschiedet. "Ich bewundere die Arbeit der Erzieher. Sie müssen sensibel agieren, gut zuhören und jedem Kind gerecht werden", sagte Iris Raether-Lordieck.

Unter dem Titel "Perspektivwechsel" hat die SPD-Frau in den letzten Jahren bereits in verschiedenen Einrichtungen mit angepackt. Dazu gehörten die Justizvollzugsanstalt in Zwickau und die Uni-Klinik in Leipzig. Diesmal entschied sich Iris Raether-Lordieck für die Kindertagesstätte "Buratino" in Meerane. Durch die Debatte, wer ab dem nächsten Jahr die Trägerschaft für die Einrichtung übernimmt, steht die Landtagsabgeordnete bereits seit einigen Monaten in Kontakt mit den Verantwortlichen der Kindertagesstätte. "Ich habe bewusst eine Einrichtung aus einem Wohngebiet ausgewählt, wo man die Kinder vorfindet, die nicht mit dem goldenen Löffel aufwachsen", sagte Iris Raether-Lordieck.

Der Alltag zeigte, dass zwei Hände und zwei Ohren bei der Kinderbetreuung oft nicht ausreichen. Deshalb wirbt Erzieherin Kerstin Meergans, die seit 1986 in dem Job arbeitet, für eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels. Sie betreute am Montag - mit der Landtagsabgeordneten Iris Raether-Lordieck - insgesamt 20 Mädchen und Jungen im Alter von vier und fünf Jahren. Dabei gibt es einige Sonderfälle: Ein Kind befindet sich gerade in der Eingewöhnungsphase. Vier Kinder mit einem Migrationshintergrund gehören zur Gruppe. Normalerweise kommt eine Erzieherin auf zwölf Kindergartenkinder. "Der Betreuungsschlüssel muss unbedingt verbessert werden. Optimal wäre, wenn eine Erzieherin für zehn Kinder zur Verfügung steht", sagte Meergans. Den Wunsch äußerte sie auch gegenüber Iris Raether-Lordieck. Offen bleibt, ob sich an der Personalsituation in den nächsten Jahren etwas ändert. "Wir hätten gern einen Betreuungsschlüssel von 1:10. In einer Koalition muss man aber auch Kompromisse schließen", sagte die prominente Helferin mit Blick auf die CDU als Partner auf Landesebene. Zudem machte Iris Raether-Lordieck deutlich, dass die Ausbildung zum Erzieher attraktiver gemacht werden muss.

Durch die Reduzierung des Betreuungsschlüssels sowie die Einführung einer Vor- und Nachbereitungszeit wird schließlich deutlich mehr Personal benötigt. Die SPD-Frau warnt: "Wir müssen aufpassen, dass uns hier nicht das Gleiche wie bei den Lehrern passiert."

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