Stuckateur: Mehr als nur ein bisschen Putz

Ans Werk! Sie bauen, schleifen, schrauben, drehen und drechseln: Handwerker gestalten unser Umfeld. Die "Freie Presse" stellt einige Gewerke aus der Region in einer Serie vor - und schaut den Handwerkern bei der Arbeit auf die Finger.

Glauchau.

Ein heute sehr gefragter Handwerksberuf, der teilweise auch mit modernem Design viele verspielte Möglichkeiten zulässt, ist der des Stuckateurs. Ob als Kunsthandwerker oder Trockenbaumonteur - Stuckateure verleihen Gebäuden und Räumen eine individuelle und unverwechselbare Note. Bereits im 14. Jahrhundert findet man mit Kunstwerken der Renaissance Ursprünge dieses Berufsbildes.

"Es war schon immer mein Wunsch, handwerklich zu arbeiten", sagt Jens Böhm aus Glauchau. Mit der Wende nahm der heutige 49-jährige Glauchauer eine Ausbildung zum Stuckateur auf. Es verschlug ihn nach Nordrhein-Westfalen, er lebte und arbeitete dort. Doch letztendlich zog es ihn in die Heimat zurück, machte 1995 seinen Meister und ist seit 1997 selbstständig. Sein kleiner Betrieb hat mittlerweile vier Beschäftigte. "Viele Gewerke lassen sich übergreifend ausführen. So bieten wir beispielsweise auch Putzarbeiten an Außenfassaden an", erklärt der Firmenchef.


Die Arbeit auf der Baustelle zählt für Böhm als wichtigste Aufgabe, doch bei Beratungsgesprächen und für Abrechnungen findet man ihn auch im Büro. Seine Auftraggeber kommen aus Zwickau, Meerane und Glauchau. "Für größere Aufträge müsste man in Städte wie Dresden fahren, dort kommen Restaurationen weit häufiger vor als in unserem Umkreis, die Kosten hierzu spielen eine enorme Rolle", besagen seine Erfahrungen.

Ist der Kundenwunsch aufgenommen, geht es für den Stuckateur ans Werk. Detailarbeit und Genauigkeit haben oberste Priorität. "In der Werkstatt fertige ich anhand meiner Skizze den Holzschlitten an, ein Blech an der Innenkante ist außerdem notwendig, um später beim Schleppziehen eine scharfe Form am Mörtel abziehen zu können", beschreibt Böhm einen entsprechenden Arbeitsgang. Stichsäge, Blechschere und verschiedene Feilen werden benötigt, um den Holzschlitten für die Baustelle anzufertigen.

"Hier im Regal liegen alle angefertigten Schlitten, die Schablonen sind nicht spektakulär schön, aber praktisch und benötigen an die zwei Stunden Anfertigungsaufwand", so der Meister. Ist der Schablonenbau beendet, geht es an die Fassade: Ein Dach- oder Gurtgesims und Fensterkonsolen warten nun auf den Handwerker. Für Stuckarbeiten im Innenbereich wird Gips als Arbeitsmaterial benötigt, an Fassaden zementgebundener Mörtel. "Mit Putzhaken bringen wir den Lattengang an unseren Arbeitsbereich, das ist eine Führungsschiene, der den Holzschlitten führt. Danach wird der Mörtel angeworfen und mit unserem angefertigten Holzschlitten am Sims so oft abgefahren, bis die Linien sauber sind. Das kostet Kraft." Die Mörteldicke ist entscheidend, mehrere Mörtellagen sind notwendig, ein Gesims beansprucht ein bis drei Tage.

Aber nicht nur Fassaden zählen zu den Arbeiten des Stuckateurs. Wohnräume werden oft mit Ornamenten verziert, vermehrt auch in Kombination mit beleuchteten Lichtpunkten in Stuckleisten. "Bei diversen Lieferanten kann man bereits fertige Ornamente und Verzierungen bestellen. Leisten werden teilweise als Meterware geliefert. Aber unser handwerkliches Geschick lässt auch individuelle Arbeiten zu." Hierfür werden Negativformen vom Original gefertigt: Mit Kautschuk und Gips wird ein Abdruck gemacht, vorsichtig gelöst und später mit Mörtel gefüllt. Klopfen löst Luftblasen, und nach dem Härten wird das Ornamentelement aus der Form gepellt.

Bis zu vierzig Abgüsse lassen sich so mit einer Kautschukform herstellen, die fertigen Ornamente werden dann mittels Dübel oder Baukleber an die Fassaden oder ins Rauminnere angebracht. Bei kleinen Schönheitsfehlern verbessert man mit Fingerspitzengefühl und mithilfe verschiedener Kellen, verrät der Fachmann. Diese Kellen sind neben Zirkel und Winkeldreieck übrigens im Wappenzeichen des Stuckateur-Handwerks verewigt.


Ein Beruf mit viel Liebe zum Detail

Stuck unter der Decke oder an den Wänden verleiht einem Raum eine besondere Atmosphäre - dabei ist Stuck nichts anderes als ausgeformter Mörtel. Kunstvoll verzierte Stuckleisten unter den Decken, eine prachtvolle Rosette als zukünftiger Befestigungspunkt für den Kronleuchter, Figuren über den Eingangstüren - all diese Arbeiten erfordern größte Sorgfalt und künstlerisches Geschick. Durch Putz, Stuck, Farbe oder vorgehängte Fassaden verschönert der Stuckateur Gebäude und verleiht ihnen einen einzigartigen Charakter. Nicht nur in Alt- oder Neubauten ist er tätig, auch Denkmäler oder Kirchen gehören zu den Einsatzorten. (fp)

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