Tag der Arbeit: Störer übertönen Kundgebung

Mit Rufen und Pfiffen haben Gegendemonstranten die Veranstaltung zum 1. Mai in Zwickau behindert. Dieses Ausmaß der Proteste hatten weder DGB noch Lokalpolitiker erwartet.

Zwickau.

Ein blondes Mädchen springt in der blauen Hüpfburg. Auf dem Zwickauer Hauptmarkt stehen bunte Sonnenschirme des DGB und verschiedener Parteien. Die Sonne scheint, es riecht nach Bratwurst. Kurz vor 10 Uhr tauchen immer mehr Menschen mit Trillerpfeifen auf dem Platz auf. Etliche sind schwarz gekleidet und tragen Sonnenbrillen. Gemeinsam skandieren sie "Widerstand".

Über 100 Gegendemonstranten haben gestern die Kundgebung des DGB zum Tag der Arbeit massiv gestört. Etliche von ihnen hatten sich zuvor bei einer Demonstration des politik- und asylkritischen Bürgerforums Zwickau auf dem Kornmarkt versammelt. Darunter waren auch Anhänger der Gruppierungen "Bürgeroffensive Waldenburg" und "Crimmitschau Unzensiert". Einige Bürgern trugen Kleidung von Modemarken wie "Thor Steinar", die in der rechtsextremen Szene beliebt sind. Mit Pfiffen, Buh-Rufen und Parolen wie "Maas muss weg" empfingen sie Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Er war für Sigmar Gabriel (SPD) eingesprungen, nachdem der Vizekanzler krankheitsbedingt seinen Besuch abgesagt hatte.


Die Gruppe drängte über die Seite bis zur Bühne. "Der 1. Mai gehört den Arbeitnehmern, und wir lassen uns nicht verdrängen", sagte die DGB-Kreisvorsitzende und Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann ins Mikrofon und versuchte damit die aufgebrachte Masse zu übertönen. Mit derart heftigen Protesten hatte sie nicht gerechnet.

Überrascht zeigte sich auch CDU-Stadtrat Karl-Ernst Müller. Er fügte aber auch hinzu: "Das muss eine Demokratie aushalten". Dieser Aussage schloss sich Stadtrat Sven Wöhl (Linke) an. Da er während der Kundgebung direkt vor der Bühne gestanden habe, bekam er aber auch das aggressive Auftreten der Gegendemonstranten mit. Dass die Polizei mit recht wenigen Beamten vertreten war, habe ihn in diesem Zusammenhang gewundert.

Insgesamt waren 18 Polizisten in Zwickau im Einsatz. Laut Sprecher Oliver Wurdak ergab sich diese Anzahl aus der Einschätzung im Vorfeld. "Wir sind davon ausgegangen, dass es keine größeren Störungen geben wird und lagen damit auch richtig", sagte Wurdak. Bürger hätten zwar ihren Unmut kundgetan, gewalttätige Ausschreitungen habe es aber nicht gegeben. Der DGB habe zudem signalisiert, dass die Gegenproteste auszuhalten seien. Zudem lag der Fokus auf Plauen.


"Seit 1992 ist es das erste Mal, dass die Bühne von der Polizei geschützt werden musste."

Mit der DGB-Kreisvorsitzenden Sabine Zimmermann (Linke) hat Tanja Goldbecher über die Störer zur Zwickauer Mai-Kundgebung gesprochen.

Freie Presse: Haben Sie damit gerechnet, dass die Kundgebung auf dem Hauptmarkt derart lautstark gestört wird?

Sabine Zimmermann: Wir wussten, dass sich wegen Sigmar Gabriels Besuch Proteste angekündigt hatten. Dass die Situation vor der Bühne aber derart eskalieren würde, haben wir nicht vorausgesehen. Ich bin darüber entsetzt. Seit 1992 ist es das erste Mal, dass die Bühne bei einer 1.-Mai-Kundgebung von der Polizei geschützt werden musste.

Hätte man nicht verhindern können, dass die Störer bis vor die Bühne kommen?

Eigentlich war geplant, dass die etwa 1000 Teilnehmer der DGB-Kundgebung ganz vorn stehen. Dann haben sich aber die Gegner von der Seite her noch davor gestellt. Wir haben uns aber nicht stören lassen und trotzdem unsere Reden gehalten.

Man konnte durch die lauten Rufe und das Pfeifen allerdings kaum etwas verstehen.

Daran sieht man, dass diese Leute die Meinungsfreiheit, die sie auf Plakaten forderten, anderen Menschen nicht gewähren. Ein Austausch ist unter diesen Bedingungen überhaupt nicht mehr möglich.

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