Tettauer Mühle hat neue Flügel

Der Dorf- und Heimatverein hat kurzerhand sein Domizil verschönert. Noch vor Ostern konnten die Arbeiten beendet werden.

Tettau.

Roland Graichen kann sich noch genau erinnern. Es war im Juni 1989. Damals wurde die Mühle in dem Schönberger Ortsteil in Ordnung gebracht - mithilfe der Feuerwehrleute, der LPG und des Verbandes für gegenseitige Bauernhilfe (VdgB). "Wir haben damals eine Ausgabe der ,Neuen Zeit' eingemauert", sagt der 79-Jährige. Dabei handelte es sich um das Zentralorgan der CDU. "Die haben schon im Sommer 1989 kritisch berichtet", sagt Graichen. Und wer weiß, wenn eines Tages mal wieder Arbeiten am Mauerwerk der Mühle stattfinden, finden die Leute die alte Zeitung.

Bis über die Wendezeit hinweg wurde damals die Mühle renoviert, Wände wurden verputzt und neue Flügel angebracht. Unterstützung und denkmalpflegerische Beratung gab es dabei von Klaus-Dietmar Hessel, der damals in der Interessengemeinschaft Denkmalpflege Meerane tätig war. Heute, 30 Jahre später, muss der Tettauer Dorf- und Heimatverein erneut Hand anlegen. Denn die Windmühlenflügel waren marode geworden. "Als wir in der Weihnachtszeit die Beleuchtung angebracht haben, sahen wir, dass die Ecken der hölzernen Flügel völlig morsch waren, teilweise schon weggefault", sagt der Vereinsvorsitzende Daniel Krause. Da musste etwas getan werden. Die Mitglieder - der Verein pachtet die Mühle - haben sich entschlossen, die Flügel zu erneuern. Jetzt, pünktlich zum Osterfest, sind die Arbeiten so gut wie abgeschlossen. Um die 2500 Euro hat der Verein aus Eigenmitteln und in Eigenleistungen für die Erneuerung der Flügel ausgegeben. Zunächst wurde das Holz der Flügel, das auf dem Metallgestänge befestigt war, entfernt. Danach sind die Metallskelette neu gestrichen worden. Tischler Ulf Graichen brachte anschießend neues Holz an die Metallvorrichtung. Allerdings sind die neuen Windmühlenflügel heller als ihre braun gefärbten Vorgänger. "Wenn wir das Holz streichen würden, müssten wir das alle drei Jahre wiederholen", sagt Ulf Graichen. Also hat er sibirische Lärche verwendet. Sie bilde zum Schutz vor Witterungseinflüssen eine Patina. Mit der Zeit werde das Holz heller.


1839, also vor 180 Jahren, wurde das Gebäude als Holländische Turmwindmühle errichtet, das heißt, der obere Teil konnte mittels eines Sprossenrades in die jeweilige Windrichtung gedreht werden. Die Mühlenhaube und die Flügel bestanden aus Holz, der kegelförmige Rundbau aus Tettauer Schiefer. Die Spannweite eines Flügelpaares betrug nach Angaben des Vereins 19,60 Meter. Bis 1916 wurde die Mühle an einen Müller verpachtet. In den darauf folgenden Jahren wurde sie für private Zwecke genutzt. Von 1924 - bis dahin wurde sie mit Windkraft betrieben - bis 1930 stand die Mühle still. Anschließend wurde ein 20-PS-Dieselmotor aufgestellt, der später durch einen Elektromotor ersetzt wurde. 1936 entschloss man sich, die morschen Flügel zu demontieren. Das zu verarbeitende Getreide wurde sowohl zu Mehl, als auch zu Schrot vermahlen. Bis 1975 nutzte die LPG Schönberg die Mühle. Danach war sie zunächst dem Verfall preisgegeben.

Der Dorf- und Heimatverein nutzt sie heute für seine eigenen Veranstaltungen, vermietet das Objekt aber auch für private Feiern.

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