Trotz Sparkonzept: Oberwiera hält an eigener Bücherei fest

Wenn Dorfbewohner in die Bibliothek wollen, dann müssen sie dafür nicht extra in die nächste Stadt fahren. Im Gemeindezentrum warten 2000 Bücher. Und auch für Sonderwünsche gibt es stets eine Lösung.

Oberwiera.

Elfrun Hiller ist ein eifriger Leser. Die 67-Jährige erzählt, dass sie bereits als junges Mädchen im DDR-Buchklub war. Der Lesehunger hat sie ihr ganzes Leben lang begleitet. "Da bin ich froh, dass es in unserem Dorf eine Bücherei gibt", sagt die Frau, die im Ortsteil Röhrsdorf wohnt. "Und als deren Leiterin Waltraud Siewert vor nunmehr 15 Jahren einen Nachfolger suchte, hat sie mich gefragt, ob ich das nicht übernehmen könnte. Weil sich kein anderer fand, und ich nicht wollte, dass die Bücherei schließt, sagte ich zu. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich die Einrichtung so lange übernehme. Aber ich mache das wirklich gern."

Die gelernte Krippenerzieherin, die auch in der LPG-Buchhaltung und in einer Waldenburger Drogerie gearbeitet hat, pendelt einmal im Monat mit ihrem Fahrrad von Röhrsdorf nach Oberwiera, um die Bücherstube zu öffnen. "Weil die meisten sich ihre Lektüre sowieso immer für einen Monat ausleihen, reicht das aus", sagt Elfrun Hiller. Sie berichtet, dass sie gut 20 Stammleser hat. "Es sind vor allem Berufstätige und Rentner. Kinder kaum noch, seit die Schule im Ort geschlossen hat. Ich kenne alle persönlich, auch ihren Lesegeschmack."


Das weiß beispielsweise Viola Düvelmeyer zu schätzen. Dass die 63-Jährige aus Oberlungwitz kommt, ist nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. "Ich habe einen Minijob in der Gemeindeverwaltung, die im gleichen Haus wie die Bücherei untergebracht ist, bin also quasi mit ein paar Schritten in der Bibliothek", sagt sie. "Ich hole mir jeden Monat so acht bis zehn Bücher bei der Elfrun, vor allem Romane und Familiensagas."

Ob sie denn bei einem Bestand von nur etwa 2000 Büchern nicht schon alles in diesem Bereich gelesen hat? "Nein, es gibt ja auch ständig neue Bücher", sagt die 63-Jährige. Und Elfrun Hiller erklärt: "Ich arbeite eng mit der Glauchauer Stadt- und Kreisbibliothek zusammen, von deren viel umfangreicherem Bestand Oberwiera profitiert. Ich suche mir dort, den speziellen Wünschen meiner Leser folgend, pro Jahr so um die 80 Bücher aus. Und wenn jemand nach einem bestimmten Exemplar fragt, das ich hier nicht habe, dann rufe ich in Glauchau an, ob ich es mal bekommen kann und hole es persönlich dort ab. Das klappt immer gut."

Gut geklappt hat auch der Umzug der Bücherei im vorigen Jahr ins jetzige Gemeindezentrum. "Die Bauhofmitarbeiter haben in einer Hauruck-Aktion die 2000 Bände aus dem Bürgerhaus geholt und die Regale aufgestellt", erinnert sich die Bücherei-Chefin, die immer noch auf das alte Karteikartensystem schwört. "Das bewährt sich bei unserem kleinen Bestand bestens. Und sollte es mal zu einem Stromausfall kommen, habe ich kein Problem", sagt sie lachend.

Bürgermeister Bernd Geringswald (CDU) berichtet, dass der Fortbestand der Bibliothek, die eine freiwillige Aufgabe der Kommune ist, zur Disposition stand, als die Gemeinde an einem Sparkonzept arbeiten musste. "Doch die Bücherei hat eine lange Tradition im Ort und auch eine soziale Komponente. Die Leute kommen nicht nur zum Bücherausleihen, sondern auch gern zu einem Plausch. Außerdem spart die Einrichtung den Leuten im Dorf lange Wege in eine Bibliothek außerhalb", sagt er. "Weil Elfrun Hiller die Arbeit ehrenamtlich macht, fällt nur eine kleine Aufwandsentschädigung an. Und die ist uns dieses Angebote allemal wert. Da bin ich mit dem Gemeinderat einig."

Die Gemeindebibliothek in Oberwiera, Hauptstraße 19, hat jeden zweiten Dienstag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Das Ausleihen von Büchern ist kostenlos.

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