Über altem Schlammteich kehrt bald Ruhe ein

Die Wismut wird sich im kommenden Jahr von der Absetzanlage Helmsdorf zurückziehen. Verlassen wird sie das Gelände jedoch noch nicht.

Zwickau.

Mit dem Bau einer neuen Wasserbehandlungsanlage nähern sich die Sanierungsarbeiten auf der ehemaligen Industriellen Absatzanlage (IAA) Helmsdorf dem Ende. Damit hat die Sanierung des als Schlammteich bekannten Gebietes ungefähr genau so lange gedauert wie sein Betrieb.

Die letzten Arbeiten sind im Sanierungsprogramm der Wismut festgelegt - und zwar in einem 30-Jahres-Plan, der von 2020 bis 2050 reicht und jetzt vom Bundeswirtschaftsministerium bestätigt wurde. "Eigentlich wollten wir schon in diesem Jahr in Helmsdorf fertig werden", sagt Wismut-Sprecher Frank Wolf. Einiges gibt es aber noch zu tun, etwa die Anbindung an die Vorflut oder die neue Wasser- behandlungsanlage, die zunächst ihren Probebetrieb aufnehmen wird. Die Anlage, in der das Wasser von Schadstoffen befreit wird, ehe es in die Mulde fließen kann, muss mit anderen Voraussetzungen klarkommen. Als der Schlammteich tatsächlich noch ein Teich war, gab es große Mengen an Wasser zu reinigen. Inzwischen ist das Gebiet längst trockengelegt und fachmännisch abgedeckt. Behandelt werden muss nun das Sickerwasser aus den Dämmen. "Das ist relativ wenig, dafür zeigt es aber hohe Konzentrationen an Schadstoffen", sagt Wolf. Damit meint er nicht nur radioaktive Partikel wie Uran oder Radium, sondern auch andere Schwermetalle. Die müssen entfernt werden - und das noch auf lange Sicht. Das heißt, diese Aufgabe steht noch unbefristet im Arbeitsplan der Wismut.

Als weitere noch auf lange Zeit angelegte Aufgabe nennt Frank Wolf das Monitoring, also das Beobachten des Geländes. Das geschieht zum einen durch Sensoren, doch auch das menschliche Auge wird noch viele Jahre lang eine wichtige Rolle spielen. "Mindestens einmal im Jahr müssen wir schauen, ob es Risse in den Hängen gibt oder wie sich das Gelände insgesamt verhält." Auch nach besonderen Wetter- ereignissen könne das notwendig sein.

"Unser Ziel ist es, das Gebiet den Menschen und der Natur zurückzugeben", sagt Wolf. Aber das soll nicht sofort geschehen. "Wir behalten uns eine Nachsorgezeit von fünf Jahren vor. Da darf noch niemand das Gebiet betreten." Unter anderem geht es darum, dass der Bewuchs sich festigen kann. Aus diesem Grund sind auch die Wildschutzzäune installiert worden. Doch auch, wenn Wanderer möglicherweise in einigen Jahren über den ehemaligen Teich laufen dürfen: Nach Ansicht der Sanierer sollte das Gelände auch künftig am besten sich selbst überlassen werden. Denn unter den Schichten aus Vlies, Mutterboden und Pflanzenwurzeln befindet sich ein Erbe, das noch lange Zeit Respekt einflößt. Die Halbwertszeit von Radium beträgt 1600 Jahre. Das heißt, nach dieser Zeit ist die Hälfte der radioaktiven Kerne zerfallen. Die Halbwertszeit von Uran beträgt 4,5 Milliarden Jahre. (sth)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.