Unfallflucht kommt Geschädigte teuer

Ein Zirkusdirektor soll in Glauchau mit einem Lkw einen Pkw beschädigt haben. Doch die Beweislage ist zu dünn für eine Verurteilung.

Glauchau/Hohenstein-E..

Wenn es im Straßenverkehr kracht, gibt es Ärger. Geht es nur um Blechschäden, zahlt in der Regel die Versicherung des Unfallverursachers die Reparatur. Was aber, wenn sich der Verursacher nicht finden lässt? In der Regel bleibt der Geschädigte auf seinen Kosten für die Reparaturen sitzen.

Das musste jetzt auch ein Frau aus Glauchau erleben, die ihren Pkw am 21. April an der Hammerwiese in Glauchau abgestellt hatte. "Es war Sonnabend, wir haben im Garten übernachtet. Mein Sohn hat dann am Sonntagmittag bei einem Kontrollgang zum Auto den Schaden bemerkt", sagt sie. Die Bilanz eines mutmaßlichen Zusammenstoßes: Die Aufhängung vom Scheinwerfer war abgebrochen und der Kotflügel ramponiert. Der Laster eines Zirkusunternehmens, das gerade in Glauchau auf dem Areal gastierte, soll den Schaden verursacht haben. Hinterm Lenkrad soll der Zirkusdirektor selbst gesessen haben. Der war daher wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort angeklagt. Er hatte in einer vorangegangenen Vernehmung den Vorfall allerdings bestritten.

Zur Verhandlung in dieser Woche saß der Anwalt des Zirkusdirektors allein auf der Anklagebank. Mit der Begründung, er habe in Berlin Vorstellungen und könne dort nicht weg, hatte der Beschuldigte das Fernbleiben von der Verhandlung beantragt. Dem hatte das Gericht auch stattgegeben.

Die Beweislage in diesem Fall war ohnehin mehr als dünn. Die ermittelnden Polizeibeamten konnten damals beim Zirkusunternehmen das angebliche Verursacherfahrzeug nicht finden. Spuren, die zu der Beschädigung am Pkw gepasst hätten, fehlten an sämtlichen Lastern. Hingegen gab es zwei Zeugen. Die beiden Rumänen haben damals bei dem Zirkus gearbeitet und behaupteten, dass der Chef selbst gefahren sei, als die Kollision gegen 22 Uhr passierte.

Bekannt war allerdings, dass die beiden mit ihrem Chef im Clinch lagen, weil er ihnen angeblich keinen Lohn gezahlt hatte. Grund genug, um den Boss in die Pfanne zu hauen. Der Verteidiger hätte deshalb die Glaubwürdigkeit der beiden Männer in Zweifel gezogen. Sie waren zwar als Zeugen geladen, erschienen aber nicht.

Richter Manfred Weber blieb nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen. Die Gelackmeierte ist in den Fall die Halterin des Autos. Zu den Reparaturkosten kommen auch die Anwaltskosten. "Wir haben schon sehr viel Geld in die Sache investiert", klagt die Geschädigte. Inzwischen überlegt sie, ob sie die Sache auf sich beruhen lässt, weil die Chancen ansonsten schlecht stehen und sich lediglich ihre Kosten weiter erhöhen würden.

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