Unter Rinde lauert Todesurteil für Baum

Auch wenn die Borkenkäfer nur klein sind, sie vermehren sich rasant und können große Schäden anrichten. Deshalb sollten Waldbesitzer im Rümpfwald ihre Bäume genau unter die Lupe nehmen.

Glauchau.

Wenn man den Blick auf den Waldboden richtet, sieht man einen dicken, grünen Nadelteppich. Was für den Laien schön wirkt, ist für Janina Albrecht, Revierleiterin in Glauchau vom Staatsbetrieb Sachsenforst, ein Alarmzeichen. "Hier gibt es Befall durch den Borkenkäfer", sagt sie bei einem Streifzug durch den Rümpfwald. Und der Blick in die Höhe zu den kahlen Baumkronen bestätigt die Prognose.

"Die Bäume sind nicht mehr zu retten. Diese Brutstätten des Borkenkäfers müssen dringend gefällt und aus dem Wald gebracht werden", sagt die Försterin. "Denn die Käfer vermehren sich rasant. Wenn wir das befallene Holz nicht entfernen, schlüpft bald die dritte Generation in diesem Jahr und bevölkert schnell auch andere, derzeit noch gesunde Stämme."

Warum es gerade jetzt eine solche Borkenkäferinvasion in der Rümpfe gibt? "Die Fichten sind gestresst durch die lange Trockenheit", sagt Janina Albrecht. Eigentlich merke es der Baum, wenn sich ein Käfer durch die Rinde bohrt. Er verschließt das Loch mit einem Harztropfen und das Insekt kann keinen Schaden anrichten. Doch die durch die Trockenheit gestressten Bäume sind nicht mehr so vital, dass sie Harz produzieren können. So hat der Borkenkäfer leichtes Spiel. Die Försterin schneidet ein Stück Rinde ab und Gänge sowie dicke, weiße Larven kommen zum Vorschein. Die fressen sich durch die Rinde. Dabei wird die Rindenschicht, die der Baum zum Wasser- und Nährstofftransport nutzt, völlig zerstört und er stirbt. Doch die Larven entwickeln sich zum Käfer, fliegen aus und richten weitere Schäden an.

"Damit das nicht passiert, müssen diese Fichten so schnell wie möglich gefällt werden", sagt Janina Albrecht. Die Frau betreut neben anderen Wäldern in der Region auch 80Hektar Rümpfwald, der sich aus kleinen privaten und kommunalen Flächen zusammensetzt. Weitere 500 Hektar gehören Georg Graf von Schönburg. Doch der Borkenkäfer kennt keine Grenzen. "Wichtig ist, dass jeder Waldbesitzer seine Bestände jetzt genau unter die Lupe nimmt, kranke Bäume sofort fällen lässt und die anderen weiter beobachtet. Nur so können wir die Schäden eindämmen", sagt die Försterin. Damit sich das Fällen und Rücken mit schwerer Technik rechnet, versucht die Frau, die nötigen Arbeiten im Privat- und kommunalen Wald zu koordinieren. "Zurzeit sind es nur einzelne Nester. Aber wenn nicht konsequent gehandelt wird, könnten bald große Flächen betroffen sein.

Ein Stück weiter liegen Rindenstücke unter frei stehenden Bäumen. Diese sind der Sonne ausgesetzt und besonders gestresst. Janina Albrecht weiß, dass die Rinde aus dem oberen Stammbereich heruntergefallen ist. Hier hat der Borkenkäfer ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Auch für den Baum mit dem stattlichen Umfang ist das Todesurteil gesprochen.

Schon in wenigen Tagen werden im Rümpfwald die Kettensägen kreischen. Alle Bäume, die mit einem roten K gekennzeichnet sind, werden fallen, aus dem Wald geholt und gestapelt werden. "Die Holzqualität ist zwar gar nicht so schlecht,. weil sich ja der Käfer nur durch den Bast frisst, aber die Holzpreise dafür sind im Keller. Schließlich gibt es nach den beiden Stürmen Herwart und Friederike schon ein Überangebot. Und jetzt kommt noch das Schadholz hinzu", sagt die Försterin. Ob die Waldbesitzer nach dem Einschlag aufforsten oder der Natur freien Lauf lassen, das hänge auch von der Größe der Flächen ab. Auf alle Fälle empfehlt die Expertin, bei Neuanpflanzungen auf Mischwald zu setzen.

Die Revierleitung Glauchau berät betroffene Waldbesitzer im Rümpfwald unter Ruf 0172 7934063.

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