Vier von sechs diskutieren mit Wählern

WAHLEN 2019 Bei der Meeraner Podiumsdiskussion vor der Landtagswahl wollte das Publikum vor allem über Pflege, ÖPNV und Klimawandel reden. Zwei Kandidaten mussten aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Meerane.

Rund 80 Gäste haben am Freitagabend das Wahlforum in der Meeraner Stadthalle verfolgt. Insgesamt 60 dieser Foren organisiert die Landeszentrale für politische Bildung mit den drei sächsischen Regionalzeitungen vor der Landtagswahl. Wie schon vor einer Woche in Crimmitschau und am Donnerstag in Zwickau entschuldigte sich der AfD-Kandidat. Er zog sich am Veranstaltungstag aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Kandidatin der Linken war ebenfalls nicht erschienen. Sie lag im Krankenhaus. Die vier anwesenden Direktkandidaten diskutierten unter anderem über Fragen aus Themenkomplexen, die von den Gästen im Vorfeld per Klebepunkt bestimmt worden waren. "Freie Presse" fasst die wichtigsten Inhalte zusammen.

Ines Springer (CDU): Für die Mandatsträgerin, die Kfz-Technik studiert hat, ist klar: "Es wird einen Wechsel bei den Antriebsformen geben - E-Motor, aber auch alternative Formen." Dass dabei möglichst wenige Arbeitsplätze verloren gehen und neue entstehen, dafür seien vornehmlich die Autobauer verantwortlich, denn: "Wir schaffen nur die Rahmenbedingungen für diesen Prozess."


Beim Thema Pflege spricht die Glauchauerin aus eigener Erfahrung. "Ich habe selbst meine Eltern gepflegt", erklärt sie und betont, dass pflegende Angehörige dabei nicht selten an "ihre körperlichen und psychischen Grenzen stoßen". Diese Gruppe müsse gestärkt werden. Dass die fünf Verkehrsverbünde in Sachsen bis heute nicht zusammengelegt worden sind und der damit verbundene Tarifdschungel nicht abgeschafft wurde, daran habe auch der ehemaligen FDP-Verkehrsminister Sven Morlok, der von 2009 bis 2014 am Ruder war, eine Mitschuld. Ihr Fazit: "Machen, nicht nur fordern." Beim Thema Kohleausstieg hält sie nichts von Schnellschüssen. Sie plädiert für eine Sonderwirtschaftszone Lausitz, einen geordneten Übergang und einen Kohleausstieg nicht vor 2038. "Ich bin gegen Entvölkerung."

Nico Tippelt (FDP): Der Musiklehrer und Marketingexperte wiederholt seine Forderung nach einem "funktionierenden Einwanderungsgesetz", um zum Beispiel den Fachkräftemangel in der Pflege zu entschärfen. "Es ist schwierig, arbeitswillige Menschen nach Deutschland zu holen", sagt der Glauchauer. Auch eine Reform der Pflegeausbildung hält er für erforderlich, um auf den demografischen Wandel reagieren zu können.

Veränderungen mahnt er auch für die Mobilität im ländlichen Raum an. "Wir brauchen einen gesunden Mix an Angeboten." Vor allem intelligente Lösungen, die die Digitalisierung schon heute bietet: kostenlose Apps, um gerade die ältere Leute in den entlegenen Dörfern mithilfe des öffentlichen Nahverkehrs, von Sammeltaxen oder Mitfahrgelegenheiten zum Wunschort zu bringen. In dem Zusammenhang bezeichnet er die fünf Verkehrsverbünde Sachsens als "Wasserköpfe", die sich nicht länger vor einer Fusion drücken dürften. Er spricht von "der Lieblingsspielwiese der CDU-Landräte". Beim CO2-Ausstoß gehe es nicht nur um das Wann, sondern um das Wie. "Wir dürfen nicht alles gleichzeitig platt machen", fordert Tippelt mit Blick auf den Ausstieg aus der Atomkraft und Braunkohle. In diesem Punkt sollte vor allem "der gesunde Menschenverstand" zählen.

Wolfgang Wetzel (Grüne): Bevor der Diplom-Sozialpädagoge auf Missstände in der Pflege eingeht und seine Lösungen skizziert, bescheinigt Wetzel allen Pflegekräften großartige Arbeit - "für wenig Geld". Und er schiebt nach: "Das Thema wird uns noch lange beschäftigen. Der Demografiewandel geht weiter", sagt er. Daher müsse die Bürokratie in der Pflege rasch minimiert werden. Auch er hält die Stärkung der pflegenden Angehörigen für unabdinglich. "Der Ausbau der Pflegeberatung ist ein Schritt in die richtige Richtung." Dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Sachsen gibt er schlechte Noten: "Ich habe vor längerer Zeit ein Dreivierteljahr aufs Auto verzichtet und wollte mit dem ÖPNV am Wochenende nach Schneeberg zu meinem Vater fahren. Ich kam bis Aue, dort habe ich gemerkt, dass es in manchen Orten nicht mal mehr Taxis gibt", sagt Wetzel. Zum Klimawandel erklärt er: "Viele haben offenbar noch nicht die Dramatik erkannt". Er plädiert für einen rascheren sächsischen Braunkohleausstieg als - so wie jetzt geplant - bis 2038. Doch das allein reiche nicht. "Jeder muss in seinem Umfeld etwas verändern."

Felix Beyer (SPD): Der Student der Sozialpädagogik als Jüngster in der Runde lässt sich auch von der Frage, wer die SPD retten soll, nicht aus der Ruhe bringen. "Ich habe es in den Glauchauer Stadtrat geschafft. Das zeigt doch, dass in der SPD nicht nur alte Männern vorangehen." Die Probleme im Pflegebereich will er vornehmlich mit einem höheren Mindestlohn und flexibleren Arbeitszeiten lösen. Die Wertschätzung für diesen Beruf müsse schon im Kindesalter durch die Eltern gefördert werden. "Dieser Job ist unglaublich wichtig für unsere Gesellschaft", fasst er zusammen. Beim Thema Infrastruktur will Beyer Prioritäten setzen: "Lieber Kinder in eine ordentliche Schule schicken und dabei über schlechte Straße fahren." Beim Thema Klimawandel sieht er die Sachsen-SPD auf den richtigen Weg, "die sich zu den Pariser Klimazielen bekennt". Er plädiert für einen früheren Kohleausstieg und einen kostenlosen ÖPNV.

Bewertung des Artikels: Ø 1 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...