Vom schweren Beginn in einer Stadt, wo sie niemand wollte

Die Sonderausstellung "Flucht und Vertreibung - Neue Heimat Meerane" im Museum zeigt anhand von Meeranern exemplarisch Erlebnisse auf, die es am Ende des Zweiten Weltkrieges millionenfach gab. Besucherreaktionen zeigen: Erinnerung hat kein Verfallsdatum.

Meerane.

Brigitte Scheller aus Dennheritz ist eine der Besucherinnen, denen die Ausstellung besonders nahe geht, denn sie und ihre Familie wurde im Sommer 1945 aus einem kleinen Ort vertrieben, der heute im Norden Tschechiens liegt, und damals noch zum gerade geschlagenen Deutschen Reich gehört. Dreieinviertel Jahre war Brigitte Scheller damals alt. "Es heißt ja immer, man merkt sich vor allem die schönen Sachen im Leben, aber damals haben sich schlimme Erlebnisse für immer eingeprägt", erzählt sie. Die Familie hatte gedacht, sie könne bleiben, weil es verwandtschaftliche Verhältnisse gab. Doch dann kam alles sehr unerwartet und ging schnell. "Wir hatten nur 20 Minuten, um das Nötigste einzupacken", erinnerte sich die Seniorin. Zunächst ging es zu Fuß in Richtung Erzgebirgskamm, dann per Eisenbahn über Dresden nach Meerane.

Dort hatten die Vertriebenen einen schweren Start, denn sie waren in der überfüllten Stadt nicht gewollt und litten unter bitterer Armut. "In der DDR hieß es dann immer, wir wären Umsiedler. Die Vertreibung wurde ja weitgehend verschwiegen", erinnert sich Brigitte Scheller. All das Leid sei im Irrsinn des Weltkrieges begründet, den die Deutschen begonnen hatten. Mit Blick auf die Lage, die heute auf der Welt herrscht, macht sich Brigitte Scheller Sorgen, dass die Menschen nichts aus der Geschichte gelernt haben und würde sich wünschen, dass viele Menschen die Ausstellung besuchen und von den Schicksalen erfahren. "Wir hatten uns mehr Interesse von Schulklassen erhofft", sagte Museumsleiterin Cornelia Sommerfeld.


Die Inhalte der Ausstellung sollen aber dauerhaft erhalten bleiben, damit sie vielleicht in Zukunft in den Geschichtsunterricht einfließen können. Neben den Augenzeugenschicksalen gehören auch verschiedene Erinnerungsstücke zu der Ausstellung.

Die Schicksale der Betroffenen hatte Johannes Groschwitz dokumentiert, nachdem er viele Gespräche mit ihnen geführt hatte. Zu den sieben vorgestellten Vertriebenen gehört mit Hildegart Loos auch eine Lichtensteinerin, die sich selbst bei den Organisatoren gemeldet hat, weil die schrecklichen Erlebnisse wie die Erschießung von Familienmitgliedern ihr keine Ruhe ließen.

Die Sonderausstellung wird noch bis zum 22. Juli gezeigt. Geöffnet ist montags von 9 bis 12 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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