Vom Spazierenführen der Striche

Das Projekt "Sathür", das Kunst aus Sachsen und Thüringen vereint, gibt es seit 20 Jahren. 33 Künstler beteiligen sich diesmal.

Glauchau.

Eine neue Ausstellung zeigt der Glauchauer Kunstverein seit Samstag in der Galerie "art gluchowe" im Schloss Forderglauchau. Die 44 Werke von 33 Künstlern sind eine Gemeinschaftsarbeit anlässlich "20 Jahre Sathür". Damit wird nicht nur die Zusammenarbeit der beiden Bundesländer Sachsen und Thüringen in einem Projekt gewürdigt. Es berufen sich auch alle Werke auf die eigentliche Grundlage der Kunst, das Handzeichnen.

"Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen" - Mit diesem Zitat von Paul Klee begann Kulturjournalist Matthias Zwarg seine Eröffnungsrede. "Die Achtung vor dem Gegenstand, aus wenigen Strichen eine Persönlichkeit zu spiegeln, und sich nur auf eine Technik zu beschränken, bedarf der Kunst des Weglassens", sagte er vor dem Publikum. Auch wurde die Frage gestellt, ob diese Kunstausstellung nicht völlig überflüssig sei. "Ist es mit Selfie und Fotoshop am Handy nicht auch getan?", fragte Zwarg.


Die Tochter des verstorbenen Kurt Pesl, der diese Gemeinschaft ins Leben gerufen hatte, sagte dazu. "Noch immer ist es eine Herzenssache für mich, dass diese jährliche Vernissage Fortbestand hat und mein Vater geehrt wird", sagte Sigrid Schubert-Pesl und verwies stolz auf die Bilder ihres Vaters. Die Würdigung des künstlerischen Arbeitstreffens zwischen dem Weidaer Künstlerstammtisch Osterburg und dem Glauchauer Kunstverein wurde von beiden Bürgermeistern der Städte in Grußform bedacht. Dabei spielt Kontinuität in der schnelllebigen Zeit eine große Rolle, was auch Siegfried Otto Hüttengrund aus Hohenstein-Ernsthal seinem Werk zuschreibt. "Mein dargestelltes Fossil aus dem Waldenburger Naturalienkabinett habe ich bewusst gewählt. Ich verweise auf die Dauerhaftigkeit, es ist ein Einschluss aus dem Zeitalter des Jura und verändert sich auch nicht mehr mit der Zeit. Es ist heutzutage eher selten, dass man gleiche Ziele länger verfolgt, aber wichtig, die Handzeichnung zu kultivieren." Otto Hüttengrund und Peter Geist aus Göpfersdorf wurden gemeinsam beauftragt, die 60 eingereichten Werke für diese neue Ausstellung auszuwählen. Beide machten es sich nicht einfach: "Es liegt nicht an der Qualität der Werke, die Präsenz und die Achtung der Anordnung war entscheidend." Auch von Peter Geist findet man einen Beitrag in der großen Sammlung, "Das Große Totenohr", eine Federzeichnung mit Anspielung auf das vergangene Lutherjahr. Vielfältige Handschriften und Ansichten vereinen sich in dieser Vernissage, die abwechselnd in Glauchau und Weida präsentiert wird.

Ob mit Bleistift, Kohle, Tusche oder Filzstift: Das Handzeichnen überwiegt in jedem Werk. "Nur mit wenigen Strichen und etwas Farbe möchte ich maximalen Ausdruck zeigen. Ich arbeite schnell an meinen Bewegungsskizzen, aber ich brauche Farbe", sagte Frithjof Herrmann. Der ehemalige Kunsterzieher des Glauchauer Gymnasiums zeichnet regelmäßig, ihm ist eine starke Präsenz wichtig.

Die Ausstellung "20 Jahre Sathür" in der Galerie "art gluchowe" im Schloss Forderglauchau wird bis zum 5. August gezeigt. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 10.30 bis 12Uhr und 13 bis 17 Uhr sowie am Wochenende von 14 bis 17 Uhr.

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