Von der Schnapsidee zum Weinberg?

Waldenburg ist für manch eine Überraschung gut. Doch ob hier in Zukunft auch ein gutes Tröpfchen gezüchtet werden kann, ist noch fraglich.

Waldenburg.

Wein aus der Töpferstadt? Wenn es nach dem Waldenburger Bürgermeister Bernd Pohlers geht, soll das keine Schnapsidee bleiben. "Nach meinem Urlaub habe ich die historischen Stützmauern in der Mittelstadt begutachtet. Die sind marode und werden seit einigen Wochen von einer Spezialfirma aus dem hessischen Gernsheim saniert. An dem Tag schien die Sonne auf dem Südhang. Da kam mir der Gedanke, dass sich das terrassenartige Gelände vielleicht auch für Hobbywinzer anbieten könnte", sagt der Rathauschef, der selbst ab und zu bei einem trockenem Weißwein den Abend ausklingen lässt.

Sollte sich ein Interessent finden, wäre es der zweite Weinberg in der Region. Im 18 Kilometer entfernten Lichtenstein reifen an etwa 450 Rebstöcken unterhalb des Schlosses bereits Trauben. Schon nächstes Jahr soll es hier laut Eigentümer Christoph Rabe den ersten Schlosswein geben. "Im Oktober beginnen wir mit der Lese. Da ich aber kein Weinfachmann bin, habe ich den Winzer Andreas Kretschko aus Radeberg mit der Verarbeitung der Kellertrauben beauftragt", sagt der Chef der Firma Bauconzept. Kommerziell vermarkten wolle er aber den Lichtensteiner Wein nicht. "In Sachsen gibt es strenge Regelungen, was das betrifft. Der Wein ist daher nur für den Eigenbedarf gedacht", sagt er.

Aus Erfahrung weiß der Diplom-Ingenieur, dass die Bewirtschaftung eines Weinberges kein Zuckerschlecken ist. "Über das ganze Jahr fallen verschiedene Arbeiten an. Ein Rebstock ist nicht wie ein Apfelbaum, der ohne Zutun vor sich hin wächst und dann abgeerntet werden kann. Vom Rebschnitt über Laubarbeiten bis zur Traubenlese - wöchentlich sind wir mit der Pflege beschäftigt. Das ist vom Zeitaufwand nicht zu unterschätzen", sagt er.

Worauf es bei einem Weinberg ankommt, damit die Rebstöcke gedeihen, weiß Winzer Andreas Kretschko: "Die Lage, gute Bodenverhältnisse und ein geeignetes Mikroklima sind wichtige Faktoren."

Ob der Waldenburger Hang solche Bedingungen bietet, muss erst untersucht werden. Außerdem gehört nur ein Teil des Areals der Stadt. Auf dem anderen müsste der Privateigentümer mitspielen. Kretschko präzisiert die Faktoren: "Eine Südlage, mineralischer Boden und Trockenmauern, die Wärme speichern und an die Reben abgeben, wirken sich begünstigend auf die Trauben aus." Außerdem müsse man sich darüber Gedanken machen, welche Sorten geeignet sind.

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