Vorfreude auf Bronzeklang im Wieratal

Die stummen Jahre der Allerheiligenkirche in Niederwiera sind bald vorbei. Bereits im Mai soll das neue Geläut mit großem Umzug durch die Dörfer eingeweiht werden. - Wenn der Guss in Innsbruck gelingt.

Niederwiera.

Nach der neuesten Sitzung des Glocken- und Turmausschusses für die Allerheiligenkirche in Niederwiera war die Dringlichkeit des Anliegens von Initiator Holger Quellmalz von neuer Bedeutung geprägt.

"Vor genau einem Jahr fragte ich Pfarrer Dutschmann, ob Interesse besteht, sich dem Vorhaben des Wiederaufbaus des Glockenturmes und dem Guss neuer Glocken zu widmen. Wir wünschten uns theologische Beratung für biblische Inschriften, die die neuen Bronzeglocken erhalten sollten und erfuhren unglaublichen Enthusiasmus von ihm. Ihn fesselte diese Angelegenheit genauso wie mich", so Quellmalz. Doch leider schaffte Theodor Dutschmann den Kampf gegen seine Krankheit nicht, er verstarb im Januar. "Es war unglaublich traurig für mich, dass kein Glockengeläut ihm seine letzte Ehre erwies. Die Glocken fehlten mir und mit Sicherheit den vielen Trauernden am Tage der Beisetzung." Doch der letzte Wunsch des Verstorbenen, Spenden statt Blumen, brachte über 3000 Euro für das von ihm unterstützte Projekt. "Somit steigt die Spendensumme auf über 14200 Euro. Dabei half uns auch der Adventsgottesdienst zu Weihnachten enorm. Des Weiteren erreichen uns Spenden aus anderen Gemeinden. Wir sind überwältigt, dass man uns so unterstützt. Selbst ein Grundschüler aus dem Dorf wollte mit seinem gespendeten Pokemon-Taler helfen. Eine Geste, die viel aussagt und einem als Familienvater ein dankbares Lächeln entlockt."

Nicht nur der finanzielle Rahmen wird als Punktlandung von Quellmalz bezeichnet. Die Kalkulation weicht lediglich um 50 Euro ab. Auch die zeitliche Planung passt. Endlich steht der Termin in der Glockengießerei Grassmayr fest, ein Tag mit großer Bedeutung: "Die Stahlglocken von 1919 werden genau nach 100 Jahren ersetzt, Bronzeglocken werden für die Ewigkeit gemacht. Am 5. April können wir in Innsbruck dem bedeutenden Schauspiel bewohnen." Doch zuvor wird sich Quellmalz mit dem Künstler Peter Luban im März vor Ort treffen, er ist verantwortlich, die Schriften, Ornamente und Schmuckelemente an das Relief-Modell anzubringen. "Der Schatz unserer Kirche, die seltene Trampeli-Orgel, wird dabei in der Illustration besonders hervorgehoben und ist auf der größten Glocke dann verewigt. Luban wird alles vorbereiten, und ich werde in Innsbruck für die neun Stunden Aufenthalt alles auskundschaften. Fünfzig Interessierte können dabei sein, ein Busunternehmen wurde bereits bestellt, Anmeldungen sind möglich." sagte Quellmalz. "Sollte der Guss gelingen, wovon wir alle überzeugt sind, wird am 19. Mai die feierliche Glockenweihe stattfinden." An insgesamt acht Stationen werden die aufgeladenen Glocken in den umliegenden Gemeinden des Wieratals Halt machen und der Posaunenchor die freudige Nachricht musikalisch unterstreichen. "Prädikant Andreas Mühler, der uns zu allen Gottesdiensten unterstützte, wird die Glockenweihe im Niederwieraer Park übernehmen, die darauffolgende Predigt in der Kirche hält unser neuer Pfarrer Sören Lange aus Zwickau."

Für die Mitglieder des Glockenausschusses bedeutet die lange Zeit der Planung aber nicht nur Arbeit: "Wir sind ständig über neue Geheimnisse und Geschichten überrascht, die uns zugetragen werden. Jeder weiß Details, die nach und nach ans Tageslicht kommen. Aber trotz allem fehlt weiterhin die Kugel und die Wetterfahne vom Dach der Kirche. Diebstahl wäre mittlerweile verjährt. Sollte aber jemand die verschwundenen Dinge durch Zufall finden, kann er sie einfach in Kirchennähe ablegen", sagte Quellmalz mit einem Schmunzeln.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...