Warum Frau Pöschmann Kindern bei den Hausaufgaben hilft

Sylvia Pöschmann ist eine von drei Initiatoren, die den "Helferkreis Asyl" in Glauchau gründeten. In ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit unterstützt sie Flüchtlinge im Alltag.

Glauchau.

Wir schreiben das Jahr 2015. Viele Flüchtlinge kommen nach Deutschland, um Zuflucht zu finden. Einige Glauchauer überlegen, wie sie helfen können. Darunter auch Sylvia Pöschmann. Mit zwei weiteren Mitstreitern initiierte die 52-Jährige in Kooperation mit der Diakonie Westsachen das Projekt "Helferkreis Asyl". "Wir wollten eine Plattform schaffen, in der Bürger und Asylbewerber zusammenfinden", so Pöschmann.

Die Glauchauerin, die unter anderem auch für die Evangelische Christengemeinde "Elim" tätig war, engagiert sich bereits Jahrzehnte im sozialen Bereich. "Mein christlicher Glaube spielt dabei eine wichtige Rolle. Außerdem interessiere ich mich für Menschen aus anderen Kulturkreisen", so Pöschmann. Sie betreute in ihrer Funktion als Patin bisher circa 25 in Glauchau lebende Flüchtlingsfamilien beispielsweise aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak. Ihre Hilfe reicht von Arztbesuchen, der Wohnungssuche bis hin zu Behördengängen.


Über die Zeit habe sie ein enges Vertrauensverhältnis zu den Familien aufgebaut. "Ich habe mich immer willkommen gefühlt. Zeitweise hatte ich Essen aus fünf verschiedenen Ländern in meinem Kühlschrank", sagt Pöschmann, die bei ihren Besuchen oftmals von ihren Kindern begleitet wurde. Gastfreundschaft habe in den Kulturkreisen oberste Priorität, betont die Glauchauerin. "Für einen Besuch lässt man auch mal einen Termin sausen. Man muss den Familien dann erklären, dass ein Arzttermin wichtig ist." Beeindruckt habe sie das enge Zusammenleben der Familien. "Ich habe viel von den Menschen gelernt. Man nimmt sich sehr viel Zeit füreinander", so die Ehrenamtlerin.

Trotz einiger Verständigungsproblemen habe sie eine große Nähe zu den Frauen empfunden. "Ich habe eine Frau aus dem Irak kennengelernt. Sie hat mir von ihrem verstorbenen Bruder erzählt. Am Ende haben wir gemeinsam geweint." Viele Flüchtlinge haben traumatische Erlebnisse hinter sich, entweder in ihrem Heimatland oder auf der Flucht und sind einfach dankbar, wenn man ihnen zuhört, sagt Pöschmann. Die Ehrenamtlerin, die derzeit in der "Bunten Box" in Glauchau tätig ist, musste aufgrund beruflicher Veränderungen ihre Zeit für den "Helferkreis Asyl" einschränken. "Man legt als Pate selbst fest, wie viel Zeit man für die ehrenamtliche Tätigkeit investieren kann. Einige Paten treffen sich einmal die Woche mit ihrer Familie, andere bei Bedarf einmal im Monat." Manchmal reiche es auch, wenn Grammatikfragen oder Fragen zu einem Brief per Handy geklärt werden können. Natürlich müsse es auch zwischenmenschlich passen, so die Ehrenamtlerin. "Man findet nicht jeden auf Anhieb sympathisch. Aber das ist ja unter uns Deutschen auch nicht anders."

Sie habe aber die Erfahrung gemacht, dass alle ehrenamtlichen Helfer die Arbeit als bereichernd empfunden haben. Der über die Jahre stetig angewachsene Kreis an 30 Helfern konnte verschiedenste soziale Projekte realisieren. So wurden Nähkurse für Frauen, Weihnachtsfeiern und Deutsch-Kurse initiiert. Mittlerweile konnten viele Familien Nachbarschaftskontakte knüpfen und haben überwiegend Arbeit gefunden. "Das liegt zum wesentlichen Teil an der Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse", so die Glauchauerin.

Laut Michael Öhler, Leiter des "Wohnprojekt Asyl", sei die Zahl der in Glauchau untergebrachten Asylbewerber zuletzt deutlich zurückgegangen. Aktuell wohnen in Glauchau 47 Asylbewerber. Dazu kommen noch mehrere Familien, die bereits eine Anerkennung erhalten haben. Viele Flüchtlinge sind laut Oehler in größere Städte gezogen, in der Hoffnung, besser Arbeit zu finden. Der Bedarf an Paten ist jedoch immer noch groß. Laut Pöschmann ist der Helferkreis insbesondere bei der Hausaufgabenhilfe auf die Unterstützung Freiwilliger angewiesen. Vor allem etwas ältere Schüler brauchen Hilfe, um den deutschen Schulstoff nachzuholen. Im Internet sind Informationen und Kontaktdaten hinterlegt.

Webseite des Helferkreises Asyl Glauchau

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