Warum Meerane schon wieder ein Karossen-Jubiläum begeht

"150 Jahre Karosseriebau" ist das Motto einer Sonderausstellung im Museum. Dabei hatte die Stadt 2006 im großen Stil "100 Jahre Karosseriebau" gefeiert. Doch wie passt das zusammen?

Meerane.

Modelle von mittlerweile legendären Karossen, jede Menge Fotos und Betriebszeitungen, Urkunden und Plaketten. Hinzu kommen Werbematerial sowie Arbeitsmittel und Werkzeuge. Die Sonderausstellung "150 Jahre Karosseriebau" im Heimatmuseum Meerane hat es in sich. Die Ausstellung, die letzte Woche eröffnet wurde und bis .. zu sehen sein wird, präsentiert die Geschichte des Karosseriebaus in Meerane. Dabei wurde in der Stadt im Jahr 2006 ebenfalls ein Jubiläum mit Festakt und mehreren Veranstaltungen gefeiert - 100 Jahre Karosseriebau in Meerane. Wie passt das zusammen? 2006 waren 100 Jahre und nun sind es 150 Jahre.

Für die Antwort muss man in die Geschichte abtauchen. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilte, beginnt die Geschichte des Meeraner Karosseriebaus mit der Firma Hornig & Co. "Der Stellmacher Gustav Reinhold Hornig meldete am 13. August 1869 eine Stellmacherei für Wagenbau beim Gewerbeamt in Meerane an", sagt Rathaussprecherin Heike Hönsch. Dies werde nun mit der aktuellen Ausstellung im Museum "150 Jahre Karosseriebau" gefeiert. So weit, so gilt. Mit der Entwicklung des Automobils in der westsächsischen Region stellte die Firma Hornig & Co, im Jahr 1906 vom Kutschenbau auf den Bau von Automobilkarossen um. Dies sei 2006 Anlass gewesen, 100 Jahre Karosseriebau in der Stadt Meerane zu feiern. Dies bezog sich freilich auf Automobilkarossen. Übrigens: Eine geschlossene Limousine auf einem Presto-Fahrgestell war im Jahr 1906 der erste Auftrag für Hornig & Co. Die Firma Presto war damals ein Automobilhersteller in Chemnitz. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs wurden dort elegante Automobile gebaut, teilweise in Zusammenarbeit mit Presto, DKW, Wanderer, Audi und Horch. Sehr erfolgreich waren auch die eigenen Kleinserien von Sportkabrioletts. 1946 wurde aus der Firma Gustav Hornig & Co. das IFA Karosseriewerk Meerane, einer der wichtigsten Karosseriebetriebe der DDR. Hier stellte man die Karosserien für das Wartburg Coupé und später für den Trabant-Kombi her. 1991 verließ die allerletzte Karosse die Produktion.

Zurück zur Ausstellung. Stadt und Museumsleiterin Cornelia Sommerfeld hatten in Vorbereitung der Schau die Einwohner und ehemalige Mitarbeiter aufgerufen, Exponate zur Verfügung zu stellen. Mit der Resonanz zeigt sich die Stadt zufrieden. Zehn private Leihgeber haben nach den Worten von Heike Hönsch Material zur Verfügung gestellt. Dabei kommen die Leihgeber nicht nur aus Meerane, sondern aus der Region. Viele waren durch die Arbeit damals mit Meerane verbunden oder seien leidenschaftliche Sammler. "Sehr gefreut haben wir uns auch über die Leihgaben des Meeraner Unternehmens HBPO Germany GmbH, die für die Ausstellung zwei Frontmodule und Informationsmaterial zur Verfügung stellt", sagt Hönsch. HBPO ist ein Automobilzulieferer, der Frontendmodule für Pkw entwickelt, konstruiert und montiert - eine von mehreren Zulieferern, die sich angesiedelt haben und die Tradition des Karosseriebaus in Meerane fortführen.

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