Was für Worte

Sch(m)erzhaft: Was die Region die Woche bewegte

Fast überall in dem Gelände sprechen Sprüchebänder Bände. Der Reim war Absicht. Bei uns in Westsachsen sind es derzeit Sprüche und Losungen, die in bunten Lettern von den Wahlplakaten auf den Vorüberfahrenden niederprasseln wie ein heftiger Regenguss auf die Autoscheibe. Der Wischer hakt aus, und man blickt kaum noch durch.

Aber einer dieser Sprüche ist diese Woche in die Schlagzeilen geraten: "Mach dich vom Acker, Gift". Das fanden die Landwirte nicht so toll. Und ein Gespräch zwischen Urheber und Rezipient brachte: nichts. Vielleicht wäre ja "Mach dich vom Acker, du Brauner" besser gewesen. Da wüsste jeder, dass Nazis gemeint sind. Aber auch die Floskeln anderer Parteien regen durchaus zum Grübeln an. "Umweltschutz mit Verstand", meinen die einen. "Umwelt - Köpfchen statt Hysterie" sagen die anderen. Wo ist da der Unterschied? Ich vermute in der Farbgebung des Plakats.


"Mutbürger für Sachsen". Auch so ein Spruch. Was für eine Metamorphose. Erst Wut, dann Mütchen, jetzt Mut. Als ob der Freistaat noch mehr Helden braucht. Nein: unglücklich das Land, das seine Feiglinge nicht ehrt. Denn jeder Mutige sticht ja aus der Menge der Feiglinge hervor, sonst würde man ihn ja überhaupt nicht erkennen. Oder nehmen Sie den Spruch "Frischen Wind in die Parlamente bringen". Offenbar müffelt es im Landtag. Manchmal reicht es allgemein in solchen Fällen, wenn man mal die Fenster öffnet.

Soll denn wirklich alles umsonst sein? "Kostenlose Kitas und Horte" wird auf einem der Plakat gefordert. Auf einem anderen steht "1000 neue Polizisten". Bedeutet das auch, 2000 Augen beäugen die Plakate, ob alles seine rechtliche Richtigkeit hat? So, und jetzt versuchen Sie doch mal, die genannten Sprüche, Parolen, Leitsätze, Floskeln, Losungen oder wie man sie auch immer nennen will, den Parteien zuzuordnen. Viel Spaß. Für die, die es geschafft haben, hier kommen noch welche: "Staus stoppen", "Grundrente durchsetzen", "Mehr Ärzte aufs Land" und immer wieder dieses "Familien stärken". Auffallend ist jedoch, dass es keine Negativbotschaften gibt. Wie etwa: kein Feuer, keine Kohle. Keine Kohle, kein Bier, kein Aschenbecher, in dem ich die abgeschnittenen Reste der vorhin noch hochgerollten Fußnägel entsorgen kann.

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