Was Peter Schönhoff über den Milbenkäse weiß

Die Neuauflage eines Buches seines Lehrers hat der Niederschindmaaser Künstler mit einer witzigen Novelle bereichert. Dabei geht es um eine fast vergessene regionale Spezialität.

Niederschindmaas.

Sein Latein- und Musiklehrer lässt ihn einfach nicht los. Damals, von 1948 bis 1953, lernte der heute in Niederschindmaas lebende Künstler an der Oberschule in Windischleuba und legte dort sein Abitur ab. Nun hat Schönhoff gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Karl Heinz Otto einen historischen Roman neu aufgelegt, den eben jener Lehrer Alfred Heimerdinger 1939 veröffentlichte mit dem Titel "Zwei Königskinder". Die Handlung spielt im napoleonischen Zeitalter, ganz in der Nähe in Ostthüringen, in den Schlössern Tannenfeld und Löbichau, zu Zeiten von Herzogin Dorothea von Kurland (1761 bis 1821). Die Mächtigen der Epoche, aber auch Künstler und Denker schauen vorbei. Es gibt erlesene Dichtungen und jede Menge Intrigen. Dorotheas Tochter soll mit dem französischen Außenminister Talleyrand verkuppelt werden. Schönhoff: "Schließlich und endlich hat er, Talleyrand, die Dorothee zur linken Hand selber gehabt, und das wird ihn, da er schon die Mutter ausprobiert, nicht verdrossen haben."

Schönhoff und Otto, die sich seit ihrer Schulzeit kennen, hatten vor Kurzem das Buch "Landschulheim Windischleuba - eine Legende" herausgebracht. Und bei ihren Recherchen dafür stießen sie auch auf den Roman. Otto schreibt im Nachwort über den Lehrer: "Wir hatten ihn vor allem schätzen gelernt, weil er uns Oberschülern, die wir meist aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern stammten, Zugang zum fantastischen Musikkosmos mit seinen Opern, Operetten und Sinfonien ermöglichte." Was habe näher gelegen, als zu googeln, den Roman zu beschaffen und mehr über den Lehrer zu erfahren?


Peter Schönhoff steuerte die Illustrationen bei und bereicherte das Buch mit einer von ihm verfassten Novelle, die er "Gebackener Katzendreck" nennt. Und das hat seinen Worten nach mit einer regionalen Spezialität zu tun, den Milbenkäse. "Er wurde früher häufig selbst gemacht, heute gibt es nur noch wenige, die den Milbenkäse herstellen. Um einen solchen Käse geht es in Peter Schönhoffs Novelle: Der Dichter Jean Paul ist zu Besuch auf Schloss Löbichau und kommt mit dem Käse in Berührung. Er schmeckt ihm ... und so bleibt seine Frage nicht aus, wie ein solch herrlicher Käse hergestellt wird. Und stellen die Gastgeber vor ein Problem. Denn sie würden den Mann lieber nicht in die Geheimnisse der Käseherstellung einweihen. Nicht, weil es top secret ist, sondern eine eher unappetitliche Angelegenheit, über die man seine Gäste lieber nicht aufklärt. Doch dem Drängen des Dichters gibt man schließlich nach, und unter dem Mikroskop sehen alle die Bescherung: Milben sorgen für den kräftigen Geschmack. Aber wie? In Schönhoffs Novelle setzt Bauer Lippold zur Erklärung an: Die kleinen Spinnentierchen, also jene Milben, kommen in einen gesalzenen und gekümmelten Quark, der in einem tönernen Topf gelagert wird. Die Milben durchkauen den Quark und scheiden ihn wieder aus. Mit der Zeit entsteht jener Milbenkäse, der auch "Mellenkäse" genannt wird.

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