Weiter mehr offene Stellen als Bewerber

Der Ausbildungsmarkt ist weiter günstig für Jugendliche, aber Experten warnen, dass der Bedarf an Fachkräften so nicht gedeckt werden könne.

Zwickau.

Seit Jahren schon befinden sich angehende Auszubildende in der komfortablen Situation, dass es weit mehr offene Stellen auf dem Markt als Bewerber gibt. Der Trend bleibt auch im Bereich der Arbeitsagentur Zwickau für das Ausbildungsjahr 2018/19 ungebrochen, wie Vertreter auf einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt gaben. Allerdings nicht ohne die Kehrseite der Statistik zu erwähnen: Der Arbeitskräftebedarf der regionalen Wirtschaft könne durch Ausbildung alleine nicht gedeckt werden, hieß es.

Den veröffentlichten Zahlen zufolge kam es statistisch zu einem Rückgang sowohl der Bewerber als auch der angebotenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch sind geringfügig mehr Ausbildungsstellen erneut unbesetzt geblieben. 1522 Bewerbern (206 weniger als 2017/18) standen demnach 1705 offene Stellen gegenüber (124 weniger als im Vorjahr). Zum 30. September waren 136 Ausbildungsstellen noch unbesetzt (acht mehr als im Jahr zuvor). Mehr als 40 Bewerber hatten noch keine Stelle angetreten.

Der Chef der Zwickauer Arbeitsagentur, Andreas Fleischer, bezeichnet den Ausbildungsmarkt als ausgeglichen, beobachtet aber, dass der Ausgleich am Markt zunehmend schwieriger werde. Beide Seiten - Azubis und Betriebe - hätten erneut erkannt, dass man einerseits trotz der günstigen Situation für die Bewerber keine Ausbildungsstelle geschenkt bekomme, und dass man andererseits gute Mitarbeiter nicht durch die Schulnoten alleine ausfindig machen könne.

Kritisiert wurde, dass viele Jugendliche recht starre Vorstellungen mitbrächten. Eine große Bandbreite beim Berufswunsch sei nicht vorhanden, die meisten wollten demnach Verkäufer werden. Auch seien die Geschlechterrollen klar verteilt: Junge Frauen wollen demnach meist Verkäuferin oder Kauffrau werden, junge Männer Kfz-Mechatroniker oder Fachlagerist.

Im gesamten Kammerbezirk der Handwerkskammer Chemnitz gibt es 700 offene Stellen. Hauptgeschäftsführer Markus Winkelströter warnt daher: "Es gibt zwar mehr Lehrverträge. Das reicht aber nicht aus, um den Fachkräftemangel unserer Betriebe auszugleichen." Die Situation sei angespannt. Der Geschäftsführer der Zwickauer Regionalkammer der Industrie- und Handelskammer, Torsten Spranger, spricht von veränderten Arbeitskräftebedarf aufgrund der Umstellung auf die E-Mobilität. Das lasse sich vor allem in der Metalltechnik ableiten, wo weniger Verträge geschlossen worden seien. Optimistisch dagegen äußerte die Nahrungsmittelbranche. Bäckerei-Geschäftsführer Roman Clauß sprach aufgrund steigender Ausbildungszahlen in Bäckereien von einer "positiven Trendwende". Die jungen Menschen würden sich intensiver mit gesunder Ernährung beschäftigen.

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