Wer küsst diese Häuser wach?

15 kommunale Immobilien hat die Stadt in drei Jahren mit Sanierungsauflagen veräußert. Zwei sind jetzt ausgeschrieben, weitere 15 warten noch auf Nutzer. Doch von Halbzeit redet man nicht.

Acht Interessenten haben die Gründerzeit-Villa Chemnitzer Straße 32 bereits besichtigt. Die Stadt will vom Käufer klare Modernisierungszusagen.
Auch das Haus Hoffnung 57 ist ausgeschrieben.

Für Sie berichtet: Jens Eumann

Der Putz blättert. Die Scheiben der mondänen Bogenfenster sind fast blind. Pflanzen ranken an den Rahmen empor. Die Gründerzeit-Villa Chemnitzer Straße 32 hat schon bessere Zeiten gesehen. Zeitweise beherbergte das frühere Wohnhaus einen Kindergarten und die Verkehrswacht. Jetzt ist es verwaist. Das will die Stadt ändern. Zum Mindestgebot von 157.700 Euro stellt sie das mit Keller viergeschossige Gebäude samt parkartigem Garten - 2350 Quadratmeter groß - in ihren öffentlichen Ausschreibungen zum Verkauf. Doch ist der Preis das Geringste, was potenzielle Erwerber stemmen müssen.

Das Gebäude wird in Sachsens Denkmalliste unter der Nummer 09241292 geführt. "Das Besondere ist, dass auch innen viel im Original erhalten ist, die Türen, der Treppenaufgang und außen die Balkone", schwärmt Steffen Naumann, Dezernent für den städtischen Fachbereich Immobilien. Insofern erwarte man vom Käufer ein Modernisierungs- und Nutzungskonzept. Er muss sich verpflichten, mit der Modernisierung innerhalb von zwölf Monaten zu beginnen und sein Vorhaben binnen weiterer drei Jahre fertigzustellen. Obwohl die Villa ein "Liebhaber-Objekt" darstelle, habe es bereits acht Besichtigungen gegeben, sagt Naumann hoffnungsfroh.

Aktuell ist neben diesem Objekt nur das Haus Hoffnung 57 unter den öffentlich ausgeschriebenen Kommunal-Immobilien. Für das Wohnhaus ist ein Mindestgebot von 93.000 Euro veranschlagt. Dem Käufer blühen ähnliche Auflagen zu Erhalt und Sanierung.

Insgesamt besitzt Glauchau nach Auskunft der Pressestelle 17 leer stehende Immobilien. Für die meisten derzeit nicht ausgeschriebenen Objekte gebe es bereits Vorstellungen zur Verwertung. "Einige davon planen wir selbst zu nutzen", sagt Naumann. Im Haus Schlossplatz 12 etwa könne im Erdgeschoss der Trauraum des Standesamtes einziehen. Die Doppelnutzung am aktuellen Standort Markt 1, wo die Behörde zusammen mit dem Oberbürgermeisterbereich untergebracht ist, sei alles andere als ideal.

Allein in den letzten drei Jahren konnte die Stadt 15 kommunale Immobilien mit einer Sanierungs- und Investitionsverpflichtung veräußern, etwa Wohngebäude an der Ringstraße, der Richard-Wagner-Straße und am Markt. Nicht immer aber sind Immobilien erhaltenswert. Und manchmal biete sich auch für brach liegende Flächen eine neue Nutzung an. Dezernent Naumann erinnert an die Parkplatzgestaltung entlang der Auestraße.

15 binnen dreier Jahre privatisierte Immobilien oder Liegenschaften und neben zwei Ausschreibungen 15, die noch auf Nutzer warten - darf man da von Halbzeit im Privatisierungsprogramm sprechen? Nicht wirklich, sagt Naumann. Es kämmen ständig neue Objekte in den Bestand, etwa durch Eigentumsaufgabe. "Meist sind es Problemfälle, bei denen wir baupolizeilich aktiv werden müssen wegen Einsturzgefahr oder weil Dachziegel abzustürzen drohen", sagt er. Es bleibt also einiges zu tun - sei es durch Vermarkten oder durch Abriss.

0Kommentare Kommentar schreiben