Werkzeugbauer haben besten Absolventen

Robert Müller aus Thurm ist 2016 bester IHK- Fortbildungsabsolvent des Landkreises Zwickau geworden. Lernen, sagt er, muss einen Sinn ergeben. Da kann man in manchen Fächern auch mal mit Abwesenheit glänzen.

St. Egidien.

Industriemeister ist er jetzt, der gelernte Werkzeugmechaniker Robert Müller aus dem Mülsener Ortsteil Thurm. Knapp drei Jahre hat er dafür büffeln müssen. Dreimal pro Woche. Nach der Schicht in der WVL Werkzeug- und Vorrichtungsbau Lichtenstein GmbH mit Sitz in St. Egidien. Bis Ende September. Dann erhielt er gemeinsam mit 185 weiteren Fortbildungsabsolventen aus Südwestsachsen sein Meister-Zeugnis. Die Prüfung absolvierte er mit 88,9 von 100 möglichen Punkten. Damit zählte er zu den vier Erfolgreichsten des Jahrgangs im Kammerbezirk Chemnitz. Und war der Beste aus dem Landkreis Zwickau. Obendrauf gab es deshalb einen Meisterbonus von 1000 Euro. Als Motivation, sich beruflich weiterzubilden, Qualifikationen zu stärken - wie es offiziell hieß.

Geld als Ansporn zum Lernen? Das braucht's bei Robert Müller nicht wirklich. Denn Lernen, sagt er, muss einen Sinn ergeben. Das tut man nicht zum Selbstzweck. "Wenn man damit aufhört, bleibt man auf der Strecke." Zurückbleiben - das ist nicht das Ding des Thurmers. Vorangehen muss es. So hat er es schon als Berufsschüler gehalten. "Ich habe die Lehre als Werkzeugmechaniker vorzeitig beendet." Ein halbes Jahr eher, um genau zu sein. Darauf lässt sich die IHK aber nur bei guten Leistungen des Lehrlings ein. "Ich hatte in den Berufsschul-Fächern alles Einsen", erinnert sich Robert Müller. Nur in einem nicht. "In Sport, da gab's bloß eine Zwei." Das ärgert den früheren Handballspieler noch heute. Genau wisse er nicht, woran es gelegen hat. "Naja, wir mussten auch so'nen Hafer machen, etwa Gerätturnen", sucht er nach einer Erklärung.

"So ein Hafer" - diese Redensart ist dem Werkzeugmechaniker an seinem Arbeitsplatz nie über den Mund gekommen. Stanz- und Umformwerkzeuge, vor allem für Kunden aus der Automobilindustrie, werden bei der WVL gebaut. "Das bedeutet Vielfältigkeit, Abwechslung. Und jeden Tag andere Probleme, die man lösen muss", sagt Robert Müller. Kurzum: Dort gibt es keine monotone Arbeit. Die WVL GmbH gehört seit April 2013 zur Aweba Group. Das Auer Traditionsunternehmen - seit diesem Jahr unter dem Dach der Schuler AG Göppingen - zählt zu den international wichtigsten Komplettanbietern im Werkzeug- und Vorrichtungsbau. Bedeutet: Von der Bauteilentwicklung bis zur Lieferung sämtlicher dafür erforderlichen Werkzeuge sowie Mess-, Montage- und Schweißvorrichtungen bietet man alles aus einer Hand.

Das eröffnet Expansionsmöglichkeiten. Von denen auch die WVL profitiert. Die Firma soll wachsen, die Produktpalette größer werden. Das bedingt neue Maschinen, mehr Personal. Deshalb wohl hat man Robert Müller eines Tages auch gesagt: "Mach mal weiter, wir brauchen Führungspersonal." Da agierte der Thurmer bereits mehr als ein Jahr als Leiter Montage im Werkzeugbau. "Aber für diese Position auf Dauer braucht man einen Abschluss", so Müller. Die Alternative? Keine. "Entweder du machst das, oder irgendwann übernimmt ein anderer mit einem Meister-Titel."

Inzwischen ist Robert Müller Industriemeister. Und bleibt Leiter Montage im Werkzeugbau. "Eine reine Führungsaufgabe", sagt er. Dafür hat er gelernt über Dinge, "wovon ich nicht so viel Ahnung hatte". Über Arbeitsrecht etwa, Rechnungswesen, Betriebswirtschaft, Planung, Kommunikation im Betrieb. Das sei interessant gewesen. Nichts Neues gab es für ihn dagegen in Fertigungs-, Montage- und Betriebstechnik zu erfahren. "Deshalb habe ich da meistens mit Abwesenheit geglänzt", erzählt Robert Müller. Denn wie er bereits sagte: "Lernen tut man nicht zum Selbstzweck."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...