Wie eine Gräfin frisch erstrahlt

Das Museum im Schloss Hinterglauchau erschließt sich einen Schatz. Kunstwerke aus dem früheren Besitz der Schönburgs werden restauriert.

Glauchau.

Die Ausstellung im Museum Schloss Hinterglauchau vereint 40 der etwa 1300 Kunstobjekte, die Glauchau für rund 450.000 Euro von der Familie von Schönburg erworben hat. Noch bis Mai ist sie unter dem Titel "Für Glauchau bewahrt - Erwerbungen von Kunst und Kulturgut mit Schönburgischer Provenienz" zu sehen.

Etwa 2500 Besucher haben sie sich bisher angeschaut - eine Resonanz, über die sich Museumschef Thorsten Dahlberg freut. "Mit dem Ankauf haben wir Sicherheit, dass die Objekte im Schloss bleiben werden. Das hat zwei Vorteile. Zum einen kann das Museum dringend notwendige konservatorische Maßnahmen durchführen. Zum anderen haben wir sichere Perspektiven im Hinblick auf künftige Ausstellungskonzepte."

Das Besondere: Dass die Kopie eines Kunstwerkes besser als das Original ist, ist in der Kunstgeschichte eher eine Seltenheit. Wie so etwas aussehen kann, wird in der Glauchauer Ausstellung anhand zweier Porträts von Heinrich II. von Schönburg-Wechselburg (1729-1800) und seiner Gattin Christiane Wilhel- mine von Einsiedel (1727-1798) demonstriert. Gemalt wurden sie ursprünglich von dem in der Region ansässigen Maler Johann Friedrich Meyner. Wenige Jahre später erhielt der seinerzeit international bekannte Maler Anton Graff den Auftrag, Kopien der zwei Porträts anzufertigen. Graff hat sich bei dieser Arbeit an jedes Detail der Originale gehalten. Allerdings hat er sowohl die Gesichtszüge als auch die filigrane Kleidung der Porträtierten in Nuancen ausdrucksstärker und gefälliger dargestellt, womit er die Kopien künstlerisch über die Originale stellte.

Die Restaurierung: Ein anderes Porträtbild zeigt Caroline Regine von Schönburg-Hinterglauchau. Sie hatte 1747 den Grafen Albert Christian Ernst von Schönburg-Hinterglauchau geheiratet. Gemalt wurde es von Johann G. Wilhelm Viertelshausen 1758 nach einem Gemälde von Anna Rosina Matthieu (1713-1783) aus dem Jahr 1749. Das in unterschiedlichen Schattierungen immer wiederkehrende Rot erweckt einen lebendigen Eindruck. Zudem wirken die Farben ihrer rosigen Wangen und ihres Kleides sowie des rötlich gefassten Wolkenhimmels, als wären sie frisch aufgetragen. Es ist eines der Bilder, die inzwischen restauriert worden sind. Der Restaurator entfernt in der Regel zunächst die Lasuren. Im Anschluss wird die Oberfläche des Bildes mit reinem Alkohol gereinigt. "Bei dieser Behandlung gibt es mitunter wahre Überraschungen", freut sich Dahlberg über die wie neu zu Tage getretenen Farben. Wenn wegen Schimmels oder Wasserschäden Farb- pigmente ergänzt werden müssen, ist der Aufwand entsprechend höher. Wenn die neue Lasur aufgetragen ist, haben die Bilder laut Dahlberg für etwa 300 Jahre eine gute Überlebensperspektive. "Die restaurierten Bilder werden im Museum einen festen Platz finden und stets zu sehen sein", sagt er.

Die Kosten: Die Behandlung eines Bildes kostet in der Regel zwischen 1000 und 3000 Euro. Das Museum bemüht sich deshalb immer um Fördermittel, um die relativ geringen Eigenmittel für derartige Zwecke effektiv nutzen zu können, betont Dahlberg. Eine weitere Art der Finanzierung sind sogenannte Restaurierungspatenschaften. Dabei haben Privatpersonen und Unternehmen die Möglichkeit, die Restaurierung eines Kunstwerkes ganz oder zum Teil zu finanzieren. "Auf Wunsch werden wir den Förderer dann in der Ausstellung namentlich erwähnen", sagt der Museumschef.

Das Museum im Schloss Hinterglauchau hat geöffnet: Dienstag bis Freitag, 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, sowie Samstag, Sonntag und an Feiertagen, 14 bis 17 Uhr. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

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