Wie lange noch?

Was die Region in dieser Woche bewegt hat

Was wird die Zukunft wohl noch bringen? Weil der Frisör auf lange Sicht geschlossen hat, bestellte er sich im Internet ein Haarschneidegerät. Zumindest die Anlieferung hat geklappt, alles andere nicht. So trägt er jetzt Kopfbedeckung mit angetackertem Mundschutz, für den Fall, dass er mal raus muss, um sich im Straßenverkauf eine Pizza zu holen. Sicher ist sicher. Drinnen bohren die wichtigen Fragen seines Lebens: Wie lange kriegt er seine Stütze noch? Wann kann er endlich seine alte Leasing-Möhre abmelden? Wer sticht unseren deutschen Spargel? Und wie lange soll dieser ganze Mist noch gehen?

Zugegeben, eine recht brachiale Beschreibung eines Einzelschicksals in dieser harten Zeit, aber die Frage nach dem "Wie lange noch?" stellen sich andere auch: die Altenpflegerin, die nach der schweren Schicht vor dem leeren Nudel-Regal im Supermarkt steht; die Kassiererin, die dafür nichs kann und jeden Tag hofft, gesund wieder nach Hause zu kommen; der Unternehmer, der nichts mehr verdient; Rettungssanitär, Ärzte, Krankenschwestern, Feuerwehrleute - kurz: alle, die in systemrelevante Berufen arbeiten. Aber auch Mütter und Väter, die plötzlich zu Hause arbeiten müssen, nebenbei den Kindern den Unterrichtsstoff beibringen, die Sprösslinge anschließend beschäftigen und ablenken - und die Oma, die ihre Enkel nicht sehen kann.

Wir Menschen in Westachsen sind verschieden, aber die Krise macht um niemanden einen Bogen. Jeder geht unterschiedlich mit ihr um. Jeder hat auf seine Weise den Kopf voll. Und wenn einem der Kragen zu platzen droht: langsam Einatmen, bis drei zählen und wieder ausatmen - aber bitte darauf achten, dass der Anstand bewahrt wird und der Abstand zu den Umstehenden stimmt.


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