"Wir sind keine Aluhutträger"

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Organisatorin Nancy Perschk über Protestfahrten von Crimmitschau nach Zwickau

Crimmitschau/Werdau.

Seit drei Wochen findet samstags ein Autokorso mit Ziel Zwickau statt. Worum es dabei geht, darüber sprach Uwe Mühlhausen mit Nancy Perschk aus Werdau. Die 30-Jährige organisiert mit die Fahrten.

Freie Presse: Frau Perschk, was wollen Sie und die Teilnehmer mit dem Korso erreichen?

Nancy Peschk: Wir wollen damit zum einen auf unsere Situation hinweisen und uns zum anderen für eine Lockerung der Coronabestimmungen stark machen.

Welche Situation meinen Sie damit konkret?

Es geht um all diejenigen, die keinerlei oder nur wenige Unterstützung erhalten. Ich will es an meiner Person deutlich machen. Ich habe mich im Herbst des Vorjahres selbstständig gemacht, in Werdau ein Tattoo-studio eröffnet und musste sofort wieder schließen. Ich habe viel Geld investiert, muss Miete zahlen und erhalte keine Unterstützung. So wie mir geht es vielen anderen Gewerbetreibenden auch.

Ist das der einzige Grund für Ihren Unmut?

Nein, es geht um die Ungerechtigkeit. Warum ist der Abholservice in Sachsen verboten und in anderen Bundesländern erlaubt? Warum dürfen bei VW Hunderte in der Produktion zeitgleich arbeiten, aber ein Einzelhändler, der Uhren verkauft nicht? In den kleinen Geschäften sind zeitgleich nur wenige Kunden anwesend, bei Kaufland stehen an jeder Kasse zehn Kunden eng an eng. Das ist ungerecht, dagegen richtet sich unser Protest.

Finden Sie als Protestform die Fahrten angebracht?

Wir haben überlegt, wie wir auf uns aufmerksam machen können. Der Lockdown bestimmt nun seit November unseren Alltag mit all seinen Einschränkungen. Es ist ja nicht nur der Handel, der geschlossen hat. Auch Schulen haben zu, Kinos, Kneipen, Museen. Ich habe ein dreijähriges Kind und würde mit dem auch gern mal wieder in den Zoo gehen, geht aber nicht. Das öffentliche Leben ist seit mehr als drei Monaten quasi komplett heruntergefahren. So kann es nicht weitergehen. Doch wie können wir uns als Bürger dagegen wehren? Wir haben die Form des Korsos gewählt.

Für einen Außenstehenden ist das nur schwer erkennbar, wenn er am Straßenrand steht und die Kolonne vorbeifahren sieht.

Das ist richtig. Doch inzwischen haben wir aber erreicht, dass wir auch mit eingeschalteter Warnblinkanlage fahren dürfen und so die Blicke auf uns ziehen. Wir wollen das Ganze noch ausbauen und künftig auch entsprechende Hinweise in den Autos anbringen oder am Ziel, dem Platz der Völkerfreundschaft in Zwickau, kleine Kundgebungen abhalten.

Bisher sorgten Sie hauptsächlich durch die Begleitung der Polizeifahrzeuge für Aufsehen.

Stimmt. Wir haben jede unserer Touren im Landratsamt angemeldet, auch wenn das für uns mit einem großen zeitlichen und bürokratischen Aufwand verbunden ist. Die Zusammenarbeit mit der Polizei hat bisher auch gut geklappt. Sie hat dafür gesorgt, dass wir als Kolonne freie Fahrt hatten.

Ihr Protest richtet sich gegen die Coronabestimmungen. Leugnen Sie die Existenz von Covid-19?

Nein, wir sind keine Aluhutträger und zählen uns nicht zu den Coronaleugnern oder Querdenkern. Ich hatte aber in meinem Bekanntenkreis noch keine Person, die an Corona erkrankte. Sicherlich muss man die Krankheit ernst nehmen, aber das ist bei jeder anderen auch der Fall.

Zeitweise arbeiteten die Krankenhäuser über mehrere Wochen am Limit, weil sie die Anzahl der Covid-19-Patienten kaum noch aufnehmen konnten. Was sagen Sie dazu?

Das Ganze wird aus meiner Sicht übertrieben. Auf der einen Seite arbeiten Krankenhäuser angeblich am Limit und anderswo im Land werden Kliniken geschlossen, weil sie nicht rentabel sind. Das widerspricht sich. Ich habe Kunden, die arbeiten in Krankenhäusern und können die Aussagen von überfüllten Stationen, wie in den Medien oftmals behauptet, nicht bestätigen.

Würden Sie sich gegen Covid-19 impfen lassen?

Nein. Auch nicht meinen Sohn.

Der Freistaat hat bereits Lockerungen in Aussicht gestellt und einen Stufenplan dazu veröffentlicht. Wollen Sie dennoch an den Fahrten festhalten?

Wir machen weiter und werden auch am Samstag erneut auf dem Parkplatz vom ETC in Crimmitschau starten. Versprochen wurde in der Vergangenheit viel. Wir warten ab, ob die angekündigten Lockerungen auch wirklich in Kraft treten und in welchem Umfang. (umü)

11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    7
    Alzira
    05.02.2021

    Eine sehr gute und wichtige Aktion. Wenn auch nur im Kleinen, so ist es doch ein deutliches Zeichen der Bürger...