Wo der "Apfeltraum" lebt

DA IST MUSIK DRIN Westsachsen, wie es singt und klingt. Heute: RB II und Frontmann Johannes Gerhardt aus Hohenstein-Ernstthal.

Hohenstein-Ernstthal.

"Alle Äpfel hatten ein Gesicht, jedes weinte bitterlich ..." Man kann Johannes Gerhardt nachts um 2 Uhr mit 40Grad Fieber oder einem Promille Alkohol im Blut wecken - der Text vom "Apfeltraum" steckt derart tief in ihm drin, da müsste schon sonst was passieren, ehe er ihn vergisst.

Johannes Gerhardt ist Sänger und Chef der Rock-Band RB II aus Hohenstein-Ernstthal. RB steht nicht für Red Bull, sondern für Reni Band, und wenn man ehrlich ist, war die Gruppe früher viel bekannter als heute. In den Siebzigern und Achtzigern standen die Jugendlichen vor den Kulturhäusern Schlange, um hinein zu kommen, wenn RB II spielte. RB II spielt heute immer noch, und Gerhardt ist immer noch ihr Sänger, aber inzwischen ist er 67, und er schimpft über das Alter und das Altwerden.

In der Karl-May-Straße hat Gerhardt seine Kneipe, die er zusammen mit seiner Frau Martina betreibt. Das Lokal heißt "Zum Apfeltraum" und das mit Grund. RB II entstand in einer Zeit, da wurde in der DDR die legendäre Klaus Renft Combo verboten. Das war 1975. Einer ihrer großen Hits war der "Apfeltraum", ein Lied, das beides konnte, einen froh machen und gleichzeitig wehmütig. Als es Renft nicht mehr gab, spielte RB II die berühmten Strophen immer am Anfang und am Ende ihrer Konzerte. Johannes Gerhardt sitzt in seiner Kneipe vor einer Tasse Kaffee, es ist noch am Morgen, er erzählt: "Wir sind nicht mehr so viel auf Tour. Vielleicht ein bis zwei Auftritte im Monat."

Von der alten Truppe gibt es in der Band nur noch ihn, Dieter Nagel an der E-Gitarre und Christian Eger am Schlagzeug. Detlef Sonntag, der Bassist, der frühere Band-Leader Gerold Beuckert und Keyboarder Jens Vogel sind schon tot. Gerhardt: "Auch den Apfeltraum spielen wir nicht mehr so oft wie früher. Aber er gehört noch zum Programm." Weil RB II früher so viel Renft spielte, galt die Gruppe ebenfalls als unerwünscht. Gerhardt erzählt von einem Schreiben, mit dem der Rat des Kreises den Kulturhaus-Chefs nahelegte, RB II nicht mehr zu buchen. Dann sei das Gegenteil eingetreten. RB II wurde zum Publikumsliebling.

Gerhardt steht auf und holt ein Saxophon von der Wand. Er zeigt es stolz. Das Musikinstrument gehörte Peter Kschentz. Kschentz war Urmitglied von Renft und ist 2005 gestorben. Über dem Tresen im "Apfeltraum" hängen zwei Langspielplatten von Renft. Fast bekommt das Gefühl, Johannes Gerhardt hat selber zu dieser Legende gehört.


Drei Fragen an den RB-II-Chef

Mit welcher Musik können Sie gar nichts anfangen?

Das wird Sie nicht überraschen: Mit Schlagern und Volksmusik habe ich so meine liebe Not. Aber es hat alles seine Daseinsberechtigung.

Was ist heute bei Ihren Konzerten anders als früher?

Die Leute wollen heute mehr Party. Früher haben sie auch mehr auf die Texte gehört und auf Botschaften gewartet.

Wie lange wollen Sie noch spielen?

Wenn ich gesund bleibe, vielleicht bis ich 100 bin. (erki)

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