Punktsieg für die Natur

Tore werden auf diesem Areal schon lange nicht mehr geschossen. Immer mehr Pflanzen und Tiere erobern den einstigen Hartplatz. Doch das ist noch längst nicht alles.

Rödlitz.

Auf dem Rödlitzer Fußballplatz wird nur noch auf einem Minibolzplatz gekickt. Denn nachdem das Areal aufgrund von Hochwasserschäden im Jahr 2013 stillgelegt wurde, hat nun die Natur Vorrang auf dem Gelände. Immer mehr Pflanzen und Tiere erobern den einstigen Hartplatz, ein Bachlauf wurde neu angelegt, und in Richtung des Waldes wurde durch spezielle Saatgutmischungen mitgeholfen, dass eine artenreiche Blühwiese entsteht.

Tobias Rietzsch vom Naturschutzverein Rödlitztal, der die Verantwortung für das Gelände trägt, hatte kürzlich Besuch von Botanikern Angelika Baumann. Sie untersuchte, welche Pflanzen auf dem insgesamt rund 5000 Quadratmeter großen Areal einen Lebensraum gefunden haben. "Es ist eine ganz normale Entwicklung für einen solchen Standort", sagt sie. Obwohl es sich um einen Fußball-Hartplatz aus Kies und Sand gehandelt hat, wird er von immer mehr Pflanzen besiedelt. Denn gerade an Standorten, die nicht so nährstoffreich sind wie normale Wiesen oder Gärten mit ihrer Schwarzerde- oder Humusschicht, finden Blühpflanzen gute Bedingungen vor.

Insgesamt sind es mehr als 100 Pflanzenarten, die auf der Fläche wachsen. Ringelblume, Wilde Möhre, Natternkopf, Ackerkratzdistel, Ferkelkraut, Königskerze und andere Blühpflanzen sind beispielsweise zu entdecken, darunter auch besondere Kleearten. Gräser breiten sich aus, was nicht an allen Stellen gewünscht ist. Denn nach und nach werden Blühpflanzen verdrängt, vor allem dann, wenn der Boden nährstoffreicher wird. "Ich bin dafür, dass man hier und da mal nachhilft", sagt Angelika Baumann mit Blick auf Pflegearbeiten an Biotopen. So können die Artenvielfalt der Pflanzen erhalten werden, was wieder auch den Tieren nützt. Auf dem früheren Rödlitzer Fußballplatz sieht man das unter anderem an den zahlreichen Schmetterlingen. Neben dem weit verbreiteten Kohlweißling gibt es beispielsweise auch den Perlmuttfalter, Bläulinge, Zitronenfalter oder den kleinen Feuerfalter zu entdecken. Der Schwalbenschanz als größter und wahrscheinlich schönster Tagfalter der Region wurde auch schon gesichtet. Auch seine Raupen sind farbenfrohe Lebewesen.

Tobias Rietzsch hat sich vorgenommen, unter anderem die Blühwiese direkt am Waldrand so zu mähen, dass sie artenreich bleibt. Höchstens dreimal im Jahr wird gemäht, und das Gras muss auch komplett abtransportiert werden. Das Areal soll nicht verwildern, deshalb werden auch kleine Bäume und Büsche entfernt. Am Rand entsteht ein kleines Amphitheater, für Aufführungen von Schule und Kindergarten oder andere Freizeitaktivitäten. "Wichtig ist, dass wir zeigen, wie Naturschutz ganz praktisch aussehen kann. Deshalb ist es schön, dass so etwas nebeneinander möglich ist", sagt Tobias Rietzsch. Der Verein Rödlitztal ist Kooperationspartner der neuen Naturschutzstation des Landkreises und hat seine Räume im Kellergeschoss des ehemaligen Sportlerheims. Hier gibt es neben der Wildtierauffangstation des Vereins auch einen Vortragsraum, in dem der Verein beispielsweise informieren will, wie sich der Naturschutz insgesamt verbessern lässt. Denn in Zeiten, in denen vor allem durch die industrielle Landwirtschaft die Artenvielfalt bedroht ist, sind aus Sicht von Experten wie Tobias Rietzsch und Angelika Baumann nicht zuletzt auch Gartenbesitzer gefragt, etwas für die Natur zu tun. Dafür sei es beispielsweise gut, Bereiche im Garten zuzulassen, in denen sich die Natur entfalten kann und nicht alle zehn Tage mit dem Rasenmäher zerstört wird. Außerdem sollte man auf heimische Arten, zum Beispiel bei Heckenpflanzen, Sträuchern und Bäumen setzen, die für die hiesige Tierwelt viel besser ist, als Exoten aus dem Gartenmarkt.

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