Mit DDR-Mopeds und 60 Sachen bis an die Ostseeküste

Rund 50 junge Männer wollen am Samstag zu einer ungewöhnliche Tour starten. Ihre Hauptsorge: Halten die alten Fabrikate auch ohne Panne durch?

Werdau.

Jörg Göpel aus Werdau mag das Abenteuer. Nahm der 30-Jährige im Vorjahr mit seinem Kumpel Ralf Jubelt, Bäcker in Steinpleis, an der Benefizrallye Dresden-Banjul (Gambia) teil und legte dabei in einem 15 Jahre alten Kleintransporter 8139 Kilometer zurück, so startet er am Samstag zu einer neuen Tour. Dieses Mal nicht mit einem betagten Auto, das am Zielort für einen guten Zweck versteigert wird, sondern mit einem Moped. Das dürfte sogar noch älter sein als der Transporter im Vorjahr.

Allerdings legt der Werdauer die Distanz bis an die Küste nicht allein zurück. "Insgesamt sind wir 50 Mann, davon sechs Leute aus dem Raum Werdau. Die sind alle im Alter zwischen 30 und Mitte 40", sagt Jörg Göpel. Die Besonderheit an der Tour, die von einem der Mitstreiter organisiert wurde: Es wird quasi eine Fahrt ins Blaue. Nicht einmal der Zielort ist im Vorfeld bekannt. "Wir wissen bisher nur, dass der Start am Samstag um 4 Uhr in Frankenberg erfolgt. Dort erhalten wir die Instruktionen und Angaben zu unserem ersten Ziel. Das wird sich irgendwo rund 100 Kilometer in nördlicher Richtung befinden. Dort gibt es dann die nächsten Hinweise. Das macht das Ganze so spannend", sagt Jörg Göpel.

Welche Route die Männer wählen, ist den Teilnehmern überlassen. "Wir Sechs aus Werdau werden versuchen, ziemlich eng beieinander zu bleiben und als Team die jeweiligen Etappenziele zu erreichen", sagt der 30-Jährige. Jeder der Teilnehmer an der Tour fährt mit einem anderen Moped. "Einzige Bedingung ist, das Moped muss aus DDR-Produktion stammen. Ob es sich dabei um eine Schwalbe, einen Star oder ein S 50 handelt, spielt keine Rolle. Erlaubt ist jedoch, das Moped vorab ein bisschen aufzumotzen." Jörg Göpel selbst wird mit einem geliehenen S 51 an den Start gehen. "Ich selber habe gar kein Moped und bekomme das von einem Kumpel aus Plauen geliehen, der dort eine kleine Firma für Simson-Ersatzteile hat. Er hat die Maschine ein bisschen getunt. Normalerweise fahren die Simsons nur 60 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ich hoffe, dass meine Maschine etwas mehr bringt", sagt der Werdauer. Was für ihn und seine Mitstreiter zählt, ist Ankommen. Falls doch irgendwo auf der Strecke einer der 50 Teilnehmer eine Panne hat, wird ihm geholfen. "Es fährt ein Begleitfahrzeug mit, das im Notfall hilft."

Jörg Göpel, der die Reise- und Abenteuerlust von seiner 96-jährigen Oma geerbt hat, die mächtig stolz auf ihren Enkel ist, nimmt das Ganze gelassen. Auch wenn er bisher mit einem Moped höchstens eine Proberunde gefahren ist. Seine einzige Sorge im Vorfeld: "Ich glaube, wenn ich an der Ostsee angekommen bin, tut mir mächtig der Arsch weh." Abkühlung soll ein gemeinsames Nackt-Bad aller Teilnehmer in der Ostsee bringen. "Das ist Pflicht", sagt der junge Mann und lacht dabei. Die Rückreise erfolgt nach einer ausgelassenen Feier und sicherlich nur kurzen Nacht im Hotel am Sonntag per Bahn, der Rücktransport der Fahrzeuge per Lkw.

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