Pferde entgehen Feuertod

Wegen der versuchten Brandstiftung muss sich seit Montag eine Frau vor dem Schöffengericht verantworten. Die Angeklagte, so ihr Anwalt, bestreitet die Vorwürfe vehement. Reden will sie aber nicht.

Hätte es tatsächlich gebrannt, die Pferde hätten wohl keine Überlebenschance gehabt.

Von Uta Pasler

Die Tat liegt fast fünf Jahre zurück. Doch um die Hauptverdächtige zu schnappen, haben die Ermittler keine Ruhe gegeben. Am 5.April dieses Jahres wurde die 50-Jährige, nach der mit einem internationalen Haftbefehl gefahndet wurde, in Malta geschnappt. Laut Staatsanwalt Stephan Hoppmann soll sie 2013 versucht haben, einen Reitstall im Zwickauer Ortsteil Niederhohndorf anzuzünden. Sieben Pferde waren dort untergebracht.

Seit Montag muss sich die Frau, die damals selbst ein Gestüt in Zwickau hatte, deswegen vor dem Schöffengericht am Zwickauer Amtsgericht verantworten. Sie schweigt zu den Vorwürfen, leide unter posttraumatischen Belastungsstörungen und Klaustrophobie. Sie ließ ihren Anwalt mitteilen, dass sie die Vorwürfe vehement bestreite. Die für den Brandbeschleuniger benutzte Kinderbekleidung, die in dem Fall eine wichtige Rolle spielt, sei frei zugänglich in ihrem Hof gewesen.

Am Morgen des 20. November 2013 hatte die Besitzerin eines Niederhohndorfer Reitstalls feststellen müssen, dass sie großes Glück hatte. In vier Fenstern an der Rückseite des Stalls steckte zerschnittene Kinderkleidung, in Petroleum getränkt. In einem Fenster, das zusammengeschmolzen war, hingen verschmorte Stoffreste. Wäre ein Feuer ausgebrochen, hätten die Pferde nur wenig Überlebenschancen gehabt: Die Boxen, in denen die beiden unmittelbar betroffenen Tiere standen, waren mit Sägespänen ausgelegt. Die Zeugin erklärte, die Angeklagte zuvor noch nie gesehen zu haben, wusste nur, dass eine Pferdebesitzerin, die zu ihr gewechselt war, ihr Pferd zuvor bei der Angeklagten untergestellt hatte.

Wie sich herausstellte, waren es sogar zwei. Die zweite, die erst Monate zuvor gewechselt war, kennt die Angeklagte bereits seit Jahren; sie nahm bei ihr als Siebenjährige erste Reitstunden. Die heute 23-Jährige erklärte vor Gericht, dass sie unzufrieden mit der Versorgung ihres Pferdes war. Zudem soll die Angeklagte ihre Stute ohne ihr Wissen künstlich befruchten lassen haben. "Für ein 22 Jahre altes Pferd kann das tödlich sein", erklärte die Besitzerin. Glücklicherweise sei ihre Stute nicht trächtig geworden. Dass sie den Unterbringungsvertrag kündigte, nahm ihr die Reitstallbesitzerin übel. "Wir sollten unsere Pferde zu ihr zurückstellen, sonst passiert Schlimmes, hat sie gedroht."

Auf Fotos der Ermittler konnte die 23-Jährige einige Kleidungsstücke den Kindern der Angeklagten zuordnen. Laut Stephan Zantke, Vorsitzender Richter, hatte das Landeskriminalamt DNA-Proben mit- einander verglichen und herausgefunden, dass Spuren an angebrannten Stoffresten zu 98 Prozent einem der Kinder der Angeklagten gehören. Der Prozess wird fortgesetzt.

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