Was Zwickau dringend bauen müsste

Wo sehen Architekten noch Baubedarf in der Stadt? Zum Ende der Ausstellung "Ungebaute Bauten" haben sich Fachleute darüber ausgetauscht.

Die Architekten Bert Hoffmann (rechts) und Christian Mertens während des Gesprächs zum Abschluss der jüngsten Ausstellung der Freunde Aktueller Kunst.

Für Sie berichtet: Michael Stellner

Viele Baupläne in Zwickau sind auf dem Papier entstanden und bald danach in der Schublade verschwunden. Mehrere Beispiele davon haben die Freunde Aktueller Kunst in ihrer Galerie an der Hauptstraße mehr als einen Monat lang gezeigt. Bevor heute die Schau zu Ende geht, haben sich am Mittwochabend Architekten nicht nur über Ungebautes ausgetauscht, sondern auch über Bauten, die noch benötigt werden. Oder wo in Zukunft noch Hand angelegt werden sollte.

Die Architekten Bert Hoffmann und Christian Mertens sprechen sich dafür aus, die Baulücke auf dem Ostspiegel des Hauptmarkts dringend zu schließen. Dort, wo sich heute ein Parkplatz befindet, sei mit der Stellfläche eine städtebauliche Lücke entstanden, die geschlossen werden müsse. Der Zwickauer Architekt Andreas Kottusch bezeichnet die Stelle als die "letzte Kriegslücke in der Stadt." Ihm würde zudem ein anderes Projekt vorschweben: Der Wiederaufbau des Schwanenschlosses am Schwanenteich. "Ich würde es wieder genauso bauen, wie es war", sagt Kottusch. "In seiner wunderbaren Neo-Renaissance, mit der Terrasse mit Blick auf den Schwanenteich und mit der Konzertmuschel." Für eine Utopie hält er das keineswegs. "Ich glaube, das würden wir schaffen. Zwickau ist eine kräftige Stadt, das müssten wir hinbekommen."

Ein Problemplatz in der Stadt ist demnach auch der Bahnhofsvorplatz. Gastgeber Klaus Fischer von den Freunden Aktueller Kunst sieht darin einen großen städtebaulichen Missstand. Das allerdings ist auch der Politik nicht entgangen. Derzeit sind Planungsleistungen ausgeschrieben, der Umbau ist praktisch schon beschlossen, nur das Wie noch offen.

Zu den Bauten, die zwar geplant, nie aber verwirklicht wurden, gehört unter anderem das Einkaufszentrum Z., ein gigantischer Ladenkomplex an der Planitzer Straße, für den es mehr oder weniger Anfang der 1990er-Jahre sogar schon eine Grundsteinlegung gegeben hatte. Die Mall im amerikanischen Stil kam aber nie zustande.

Es gibt aber für Kottusch noch einen weiteren, viel bedeutenderen Bauplan, der durch seine Nichtrealisierung der Stadt viel Kummer erspart hat: "Der Architekturwettbewerb der 1970er-Jahre hat die Idee hervorgebracht, die komplette Innenstadt abzureißen. Stehen geblieben wären im Wesentlichen nur das Rathaus, der Dom. Der Rest sollte neu entstehen", erzählt der 68-Jährige. Gescheitert seien die Pläne vor allem am fehlenden Geld der DDR. "Ein Segen der wirtschaftlichen Schwäche", sagt Kottusch.

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