Zwei Jahrzehnte Treffpunkt, Selbsthilfe und ambulante Hilfe

Der Verein "Kontaktlinse" im Glauchauer Wehrdigt bietet Menschen mit psychischen Krankheiten seine Hilfe an.

Glauchau.

Psychische Erkrankungen wie Ängste und Depressionen sind für breite Gesellschaftsschichten immer noch ein Tabuthema. "Menschen unterschiedlicher Altersklassen sind davon betroffen, aber nur wenige sprechen darüber", sagt die diplomierte Sozialarbeiterin Maria Warmuth. Die "Kontaktlinse", ein psychosozialer Hilfsverein im Glauchauer Stadtteil Wehrdigt, bietet einen Ort, an dem Betroffene Hilfe und Unterstützung finden. 1999 als Nachsorgeprojekt der psychiatrischen Abteilung des Rudolf Virchow Klinikums in Glauchau gegründet, begeht der Verein dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. "Wir sind stolz darauf, dass wir so lange durchgehalten haben. Denn es war finanziell gesehen nicht immer einfach", sagt Warmuth, die vor fünf Jahren den Vorsitz des gemeinnützigen Vereins übernahm. Mit einem Festakt soll das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter gewürdigt und sich bei allen Unterstützern bedankt werden.

Für die Besucher aus Glauchau und dem Umkreis ist die offene Begegnungsstätte in der Dorotheenstraße ein wichtiger Anlaufpunkt. "Die regelmäßigen Treffen bringen Kontinuität in ihren Alltag. Für viele ist sie zur zweiten Heimat geworden", sagt die Sozialarbeiterin. Neben der Beratung, die zwei festangestellte Heilerziehungspädagogen übernehmen, werden auch Freizeitaktivitäten angeboten. Die sollen dabei helfen die gesellschaftliche Isolation, der viele durch ihre Krankheit ausgesetzt sind, zu überwinden. "Jeder, der zu uns kommt, kann an unserem Programm teilnehmen oder es sich einfach nur gemütlich machen", erklärt Warmuth. Damit hofft sie, Menschen in oder nach einer Krise unbürokratisch Hilfe anbieten zu können.


In der Anlaufstelle treffen sich zweimal im Monat auch die 10 Mitglieder der Selbsthilfegruppe "Gemeinsam statt Einsam". Die Gruppe wird von Betroffenen selbst organisiert. Viola Fleischmann ist Vorstandsmitglied im Verein und leitet seit 2009 die Treffen. Die Meeranerin weiß aus eigener Erfahrung mit welchen Problemen die Erkrankten im Alltag zu kämpfen haben. "Es lässt sich nicht verleugnen. Physische Krankheiten gibt es einfach in unserer Gesellschaft. Das Spektrum ist vielfältig. Die Krankheiten ziehen sich durch alle Altersgruppen. Ich bin selbst davon betroffen. Außenstehende können manchmal nicht nachvollziehen, welche Ängsten uns beschäftigen", sagt Fleischmann. In der Selbsthilfegruppe besteht die Möglichkeit sich mit Gleichgesinnten in lockerer Atmosphäre auszutauschen. Für viele Mitglieder sei die Selbsthilfegruppe ein Rettungsanker.

Eine dritte Komponente in der Arbeit des Vereins ist der Bereich des ambulant betreuten Wohnens. Das Angebot richtet sich an chronisch psychisch erkrankte Menschen die ihren Alltag zu Hause nicht bewältigen können. Derzeit betreuen die Mitarbeiter der "Kontaktlinse" 16Betroffene. Neben den psychosozialen Angeboten hat sich der Verein zur Aufgabe gemacht, Mitmenschen für das Thema zu sensibilisieren und Vorurteile gegenüber Erkrankten abzubauen. "Die psychischen Störungen sieht man den Betroffenen äußerlich nicht an, bringen aber für die Betroffenen schwerwiegende Probleme mit sich. Sie fühlen sich häufig unverstanden und ziehen sich in die Einsamkeit zurück", sagt Maria Warmuth.

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