Zwischen Kunst und Krempel

Wenn Leute ihre Dachböden und Keller aufräumen, kommt so manches Fundstück zum Vorschein. Einige entschließen sich dann, es dem Glauchauer Museum zu schenken.

Glauchau.

Kunst oder Krempel? Diese Frage müssen sich Wiebke Glöckner, Leiterin des Museums und der Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, und der Museologe Robby Joachim Götze des Öfteren stellen. Das ist dann der Fall, wenn die städtische Einrichtung mit Schenkungen und Sachspenden aus der Bürgerschaft bedacht werden soll. Die Westsachsen nehmen jedes der Angebote persönlich unter die Lupe. "Als Museum haben wir die Aufgabe, zeitgeschichtliche Zeugnisse zu bewahren. Es gibt aber auch Grenzen, indem was wir nehmen können und was nicht. Der Platz im Depot ist begrenzt", erklärt der Museologe. Besonders bei großformatigen Gegenständen müssen die beiden abwägen, ob sie in das Sammlungskonzept des Museums passen. Jede museale Institution hat eine spezifische Sammlungsstruktur, die es zu beachten gilt. "Prinzipiell stehen wir Schenkungen positiv gegenüber. Für uns ist das auch ein Zeichen, dass wir als Institution wertgeschätzt werden", betont Glöckner.

Dass dem Museum Sachspenden angeboten werden, ist nicht ungewöhnlich. Seit kurzem ist das Museum um einige Exponate reicher. Der Verwaltungsausschuss hat kürzlich zugestimmt, dass das Museum über zehn DDR-Abzeichen in Wert von 80 Euro und einen Kaufmannsladen aus der DDR - auf 40 Euro geschätzt - bekommen soll. "Da es sich bei der DDR um eine abgeschlossene Periode in der Zeitgeschichte handelt, sind auch diese Schenkungen für uns interessant. Beispielsweise werden wir den Kaufmannsladen zu unserer bestehenden Spielzeugsammlung ergänzen."


Außerdem wird wir im November eine neue Ausstellung mit dem Titel 'Zwischen Frühstück und Gänsebraten - Weihnachten in der DDR' eröffnet. "Unter anderem werden wir unterschiedlichstes Spielzeug aus der DDR präsentieren. Da würde das Exponat auch gut passen", erklärt Glöckner. Weit weniger interessant sind Gedenkteller aus der DDR. "Davon haben wir einfach schon zu viele", so die Waldenburgerin. Von einer Schenkung sind die beiden besonders begeistert: Ein Lederalbum mit Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg. Wert: 150 Euro. Der ideelle Wert ist für die Westsachsen ungleich höher. Das Fotoalbum zeigt das Schicksal eines 16-jährigen jungen Mannes aus dem Callenberger Ortsteil Reichenbach, der 1941 zum Reichsarbeitsdienst und ein Jahr später zur Wehrmacht eingezogen wurde. "Das Album ist ein einzigartiges Zeitdokument. Besonders weil wir gleichzeitig die gesamte Feldpost bekommen haben, die der Soldat seiner Familie damals schrieb. Die Briefe und Fotos zeichnen eindrucksvoll diesen prägenden und schicksalhaften Lebensabschnitt des jungen Soldaten ab", betont die Chefin des Hauses.

Das Museum im Schloss Hinterglauchau ist eines der ältesten Museen in Sachsen. Es präsentiert die Glauchauer Stadt- und Schlossgeschichte, das Alltagsleben der Weber und die Geschichte herrschaftlichen Interieurs. Die Bestände an Historica, Ethnographica, einschließlich Spielzeug, und Militaria spiegeln die Geschichte über die Region hinaus wider. Weitere Ausstellungen widmen sich der bildenden Kunst und Georgius Agricola.

Die Ausstellung "Zwischen Frühstück und Gänsebraten - Weihnachten in der DDR" beginnt am 30. November und endet am 2.Februar 2020. Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro. Für Kinder ist er frei.

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