150 Jahre Christophori-Friedhof: Neuer Glanz für ältestes Grab

Die reich verzierten Grabmale und Gruften der einstigen Fabrikanten auf dem Christophori-Friedhof sind Kunstschätze. Die Kirchgemeinde will sie bewahren. Fürs Jubiläum wird die älteste Ruhestätte gerade aufgehübscht.

Hohenstein-Ernstthal.

Der kräftige Händedruck von Ulf Hertel verrät einiges: Der drahtige Mann ist harte Arbeit und das Zupacken gewöhnt. Der 57-Jährige arbeitet als Friedhofsverwalter auf dem Christophori-Friedhof in Hohenstein-Ernstthal. Um die 30 Gräber hebt er pro Jahr aus, 1,60 bis 1,70 Meter tief - aber in Handarbeit mit Hacke und Schaufel. Wegen der extremen Hanglage ist der Einsatz von Maschinen unmöglich. "Wir haben hier die extremste Bodenklasse, also steinigen Untergrund", sagt Hertel.

Sein Arbeitsplatz ist mit Sicherheit einer der geschichtsträchtigsten in der Karl-May-Stadt. Seit 150 Jahren gibt es den Friedhof. Das wird im Juni mit einem Tag der offen Tür gefeiert. Doch schon jetzt können Besucher eine Fotoausstellung in der Aufbarungshalle besuchen. Sie gibt einen Überblick über Gruften und Grabstätten bedeutender Hohenstein-Ernstthaler. Fabrikantenfamilien wie Gruber, Frisch, Falcke, Pfefferkorn, Zwingenberger, Haase, Böttger und Säuberlich ließen prächtige Gräber errichten. Die Christophori-Kirchgemeinde hat sich zur Aufgabe gemacht, historische Grabstätten zu erhalten.


Mit der Geschichte der Familien hat sich Ulf Hertel intensiv beschäftigt. Derzeit steht eine Gruft im Mittelpunkt. Es ist die vermutlich älteste Grabstätte auf dem Friedhof. Hertel zeigt auf die Familiengrabstätte von Gottlob Friedrich Beck. An der Mauer über der Gruft fehlen die Grabplatten. "Wir haben neue anfertigen lassen, eine ist irgendwann mal abgefallen und zerbrochen. Wir haben das Grab in Pflege genommen. Zum Tag der offenen Tür soll es wieder schön sein", sagt Hertel.

Friedrich Beck, geboren 1801, handelte mit Piquetstoffen und fertigte daraus Röcke. Mit zwei Handwebstühlen fing er an, vertrieb seine Waren auf der Leipziger Messe. 1830 zog die Firma ins Haus Altmarkt 14, heute befindet sich darin die Kleine Galerie. 1855 erweiterte sich die Firma um eine Strumpfabteilung, die am Altmarkt 6 einzog. Als Friedrich Beck 1865 verstarb, wurde er zunächst auf dem damaligen Friedhof an der Dresdner Straße, heute Jahnpark, beigesetzt. Hertel: "Das war bereits der zweite Friedhof, der erste befand sich hinter der Christophorikirche." Der Friedhof an der "Dresdner" bot aber bald keinen Platz mehr, ab 1869 erfolgten deshalb alle Beisetzungen auf dem neuen Friedhof an der Hinrich-Wichern-Straße. Als Becks Ehefrau Christiane 1880 ihrem Ehemann folgte, ließen die Nachkommen Gottlob Friedrich Beck umbetten, die Grabstätte abbauen und auf dem neuen Friedhof wieder errichten. Auch dort nagte der Zahn der Zeit. Zum Tag der offenen Tür soll sie in neuem Glanz erstrahlen.

Für Besucher schließt Ulf Hertel die Aufbarungshalle gern auf. Der Tag der offenen Tür findet am 22. Juni von 10 bis 17 Uhr statt.

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