54-Jährige pflegt ihren Mann und gerät in finanzielle Nöte

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Weil die Tagespflege geschlossen ist, kann eine Oelsnitzerin ihrem Job nicht nachgehen und verdient keinen Cent. Offenbar gibt es keine Lösung - obwohl sie vermutlich kein Einzelfall ist.

Oelsnitz/Lichtenstein.

Simona Sonntags Mann Frank ist ein Pflegefall, schon seit 2011. Aber was ihr zusätzlich zu dieser Aufgabe aktuell das Leben schwer macht, hat sie in den zurückliegenden zehn Jahren noch nicht erlebt: Die 54-Jährige ist in finanziellen Nöten. Und es scheint, als gebe es keinerlei Hilfe. Das jedenfalls legen die Antworten von Sozialministerium und Pflegekasse zu ihrem Fall nahe.

Was ist passiert? Normalerweise besucht ihr Mann, der zu 100 Prozent behindert ist und dem die Pflegestufe 4 zuerkannt wurde, von Montag bis Freitag die Tagespflege der Advita in Lichtenstein. Etwa halb 8 wird er daheim abgeholt, knapp 8 Stunden später zurückgebracht. Das ermöglicht es Simona Sonntag, sechs Stunden lang einer Arbeit nachzugehen. Seit die Tagespflege aber coronabedingt geschlossen bleiben musste, ist auch die 54-Jährige daheim. Und verdient so schon monatelang keinen Cent. Sie lebt mit ihrem Mann von dessen kleiner Rente - er wurde mit 43 Jahren erwerbsunfähig - und 728Euro Pflegegeld, das aber zum Großteil auf Pflegehilfsmittel draufgeht.

"Einige Zeit habe ich meine Arbeitszeit verlagert, nachts um 3 begonnen", sagt die Oelsnitzerin. Damals habe ihr eine Etage höher wohnender Sohn den Vater betreut, bevor er selbst zur Arbeit musste. Aber das ist jetzt nicht mehr möglich.

Ihr Arbeitgeber hat sie zwar zur Pflege ihres Mannes unentgeltlich freigestellt, insgesamt 20 Tage lang bezog sie als Lohnersatzleistung auch das Pflegeunterstützungsgeld, das pflegenden Angehörige angesichts der Corona-Pandemie in solchen Fällen zusteht. Aber was sind 20 Tage? Die Tagespflege war ab dem Frühjahr elf Wochen lang geschlossen, aktuell ist sie es wieder - seit Mitte Oktober.

Das Angebot, die Notbetreuung der Advita in Burkhardtsdorf zu nutzen, kam für ihren Mann nicht infrage. Unter anderem, weil er auch an Demenz leidet. Eine völlig neue Umgebung, andere Kontaktpersonen - das hätte seinen Zustand stark verschlechtert, ist sich Simona Sonntag sicher.

"Ich habe einen 24-Stunden-Job, 365 Tage im Jahr. Und hänge finanziell jetzt voll in der Luft", sagt sie. Eltern, die wegen der Kinderbetreuung daheim bleiben müssen, hätten Anspruch auf finanzielle Hilfe, sagt sie. Sie aber nicht. Sören Granzow, Referent im sächsischen Sozialministerium, bestätigt das: "Das Infektionsschutzgesetz sieht lediglich einen Anspruch auf Entschädigung bei Lohnausfall für infizierte oder unter Quarantäne gestellte Personen sowie Eltern vor, die ihre Kinder coronabedingt betreuen müssen." Eine Regelung für solche Fälle wie den von Simona Sonntag sei dort nicht vorgesehen. Das Sozialministerium verweist auf die Pflegekasse, die "gegebenenfalls nach einer passgenauen Lösung suchen" könnte.

Im Fall von Frank Sonntag ist das die AOK Plus. Auch dort sucht man nach Hilfsmöglichkeiten, stellt aber fest, dass "der Gesetzgeber einen weitergehenden Anspruch auf Lohnersatzleistungen über die 20Tage Pflegeunterstützungsgeld hinaus nicht vorsieht". AOK-Pressesprecherin Hannelore Strobel macht verschiedene Vorschläge, so zum Beispiel, als Überbrückung eine stationäre Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen. Das hat Simona Sonntag im Januar auch schon für zwei Wochen getan, als ihr Mann sich Arm und Fuß gebrochen hatte und seine Pflege ihre Möglichkeiten überstieg. "Das war eine Notlösung und schon grenzwertig", sagt sie im Hinblick auf den Gesundheitszustand ihres Mannes, der spürbar unter der fremden Umgebung litt.

Dass die AOK ihr bei ihrem Problem nicht helfen kann, macht Simona Sonntag der Pflegekasse nicht zum Vorwurf. "Ich wurde und werde dort immer gut beraten und betreut", sagt sie. Aber hier fehle einfach eine Lösung vonseiten des Gesetzgebers. Auch bei Advita sei man sich ihrer Situation bewusst. "Wenn stufenweise wieder geöffnet wird, gehört mein Mann zu den ersten, der wieder kommen kann, hat man mir gesagt", erklärt sie. Wann das aber sein wird - das konnte man in dieser Woche auch bei Advita nicht sagen.

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