775 Jahre: Jetzt wird's im Ort historisch

Historische Bilder im Umzug, ein Kaffeestübchen wie zu Uromas Zeiten und alte Urkunden - Reichenbach schreibt Geschichte.

Reichenbach.

Eigentlich sollte es zur 775-Jahr-Feier am Wochenende in Reichenbach gar keinen Festumzug geben, sondern nur einen Weckruf mit der Guggemusig. Doch dann wurde die Sache zum Selbstläufer. Alle wollten mitmachen. Und nun wird sich am Sonntag ein Festumzug durch den Ort schlängeln, der etwa 25 Bilder mit 300 Mitwirkenden vereint. Und dort geht es mit Sicherheit historisch zu.

Der Begriff "historisch" gilt auch für die Ausstellungen in der Kulturellen Begegnungsstätte (KBR). Die umfangreiche Mineralienausstellung ist ein Blick auf die DDR-Geschichte des Nickelerzabbaus. Zurück bis fast in die Besiedelung schaut ein anderes, eher unscheinbares Detail, das in der Ausstellung "Reichenbach weltweit" einen Platz gefunden hat. Zwei der bedeutendsten Ausstellungsstücke steuerte die Callenberger Heimatforscherin Elke Eifert bei. Es handelt sich um die Kopien zweier Urkunden. Die eine ist die erste bisher bekannte urkundliche Erwähnung. Es ist die Abschrift der Urkunde vom 7. November 1243 in Altenburg. Damals regierte Albrecht der II. als Burggraf in der einstigen Kaiserpfalz. In dieser Urkunde, die erstmals in Reichenbach selbst zu sehen ist, steht geschrieben: "Heinrich, Probst von Remse tauscht mit dem Deutschordenshaus das Dorf Rechenbach gegen das Dorf Lintbach und die Mühle in Münza." Das andere Dokument ist die Kopie einer Originalurkunde, ausgestellt am 17. April 1488 in Torgau. Es ist der "Lehnbrief des Kurfürsten Friedrich von Sachsen für Ernst von Schönburg über die Dörfer Reichenbach, Tirschheim, Wickersdorf und vier Männer aus Schwaben". Das Original hat sogar noch Lack und Siegel und befindet sich in Dresden.

Dass die Festgäste sogar historisch Kaffee trinken können wie zu Uromas Zeiten, hat der kleine Ort Heidi Hein zu verdanken. Die 57-Jährige, die seit 2000 viele Jahre das im kleinen Café gleich gegenüber der KBR Gäste verwöhnte, hat extra für das Ortsjubiläum ein historisches Kaffeestübchen eingerichtet. "Der Schrank ist aus dem Jahr 1890. Das Geschirr stammt aus meiner umfangreichen Sammlung. Vieles davon haben mir damals ältere Stammgäste geschenkt, als ich das Café betrieben habe. Sie meinten, zu Hause verstaubt es nur, hier würden es die Leute wenigstens sehen." Zum Jubiläum öffnet Heidi Hein noch einmal. Das Stübchen versetzt seine Gäste in die Zeit vor 120 Jahren. Zwölf alte Stühle, eine Standuhr, Kaffeekannen mit Tropfenfänger und Stövchen, liebevoll gestaltete Tische, gestickte Decken - sogar ein Handtuchhalter mit einem dekorativen Überhandtuch, auf dem eingestickt ist: "Ein helles Feuer, ein freundlich Gesicht, ein braves Männlein, mehr brauch ich nicht." "Ich hoffe, dass sich viele Gäste einfinden, die das einmal sehen möchten", sagt Heidi Hein. Dass sie im historischen Kostüm ihren Gästen das Käffchen kredenzt, versteht sich nahezu von selbst. Das Kostüm hat sie von einer Nachbarin. "Sie ist erst hergezogen und hat einen Kostümverleih. Sie hatte die Idee und ließ nicht locker. Und jetzt gefällt es mir auch", sagt die Kaffee-Heidi.

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