AfD holt aus dem Stand fünf Sitze

Wahlen 2019 In Hohenstein-Ernstthal hat die CDU bei der Stadtratswahl zwei Mandate eingebüßt - die AfD ist die Überraschungssiegerin der Wahl. Was die Kommunalpolitiker dazu sagen.

Hohenstein-Ernstthal.

Bei vielen Stadträten in Hohenstein-Ernstthal ist der Frust groß, auch wenn das einige von ihnen öffentlich nicht so zugeben. Einer aber macht keinen Hehl aus seiner Meinung: SPD-Stadtrat Wolfgang Benn.

Er wird noch an den letzten beiden Stadtratssitzungen der zu Ende gehenden Legislatur teilnehmen. Bei der konstituierenden Sitzung im Juli ist er raus. Der Noch-Fraktionschef scheidet aus, er wurde am Sonntag nicht wiedergewählt. Die SPD hat mit Dietmar Röder ab Juli nur noch einen Stadtrat. "Ich bin persönlich sehr enttäuscht", sagte Benn am Tag nach der Wahl. Er fügte hinzu: "Aber wenigstens bewahrt mich das, mit bestimmten Herrschaften an einem Tisch sitzen zu müssen."


Es geht um die AfD. Die Partei ist mit fünf Sitzen die große Gewinnerin der Stadtratswahl von Hohenstein-Ernstthal (siehe Statistik Seite 11). Viele hatten mit zwei, höchstens drei Mandaten für die Rechtsaußen-Partei gerechnet. Dass es fünf geworden sind, ist eine Art Erdrutsch in Hohenstein-Ernstthal. Zu den Verliererinnen gehört neben der SPD die CDU. Sie büßte zwei Sitze ein, hat jetzt nur noch sieben. Fraktionschef Trinks am Montag: "Wir haben unser erstes Wahlziel erreicht und bleiben stärkste Fraktion." Aber auch er zeigte sich überrascht vom Erfolg der AfD. "Ich hatte bei unserem Wahlkampf auf dem Altmarkt ein gutes Gefühl. Jetzt müssen wir analysieren, warum wir zwei Mandate verloren haben."

Der Fraktionschef der Linkspartei, Alexander Weiß, glaubt, dass die diesjährige Kommunalwahl in Hohenstein-Ernstthal weniger eine personenbezogene Wahl war. "Die Wähler haben sich offenbar weniger für die Kandidaten interessiert, vielmehr haben sie sich für eine Partei entschieden", so seine Sichtweise. Die Linken haben zwar auch einen Platz verloren, behalten aber mit drei Mandaten Fraktionsstärke. Damit kann die Partei leben. Viel größer ist die Enttäuschung bei Pro HOT. Vor fünf Jahren war die Wählervereinigung einem kleinen Triumphzug gleich in den Stadtrat eingezogen, holte drei Sitze. Jetzt ist davon nur noch einer übrig, Udo Zilly bleibt im Stadtrat. "Für uns ein ernüchterndes Ergebnis. Wir hatten auf zwei Mandate gehofft. Der Wähler hat sich aber eher für die AfD entschieden. Das müssen wir akzeptieren", kommentierte Zilly am Morgen nach der Wahl..

Der Sieger heißt Hartmut Pfau, Unternehmer und Gesicht der AfD in der Stadt. Er freute sich über mehr als 2000 Stimmen. "2347-mal Danke. Wir sind eine Verpflichtung eingegangen, wollen fraktionsübergreifend arbeiten und gute Vorschläge anderer nicht blockieren", sagte er.

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Freie Wähler gewinnen in Lichtenstein - und verlieren doch

In Lichtenstein gab es eine höhere Wahlbeteiligung als 2014 und nur leichte Veränderungen in der Zusammensetzung des Stadtrates. Mit 31,2 Prozent der Stimmen sind die Freien Wähler die Sieger und stellen künftig sieben Räte, was einem Verlust von zwei Mandaten entspricht.

"In Anbetracht der Umstände, unter denen die Freien Wähler Lichtenstein seit 2014 die Regierungsverantwortung angetreten haben, ist das Wahlergebnis 2019 als großer Erfolg zu werten. Die auf Grund einiger notwendiger, aber unpopulärer Maßnahmen befürchtete "Abstrafung" durch die Wählerinnen und Wähler ist ausgeblieben", sagte Bürgermeister Thomas Nordheim, Vorstand der Freien Wähler. Nicht alltäglich ist, dass Kathrin Nordheim, die Frau des Stadtchefs, künftig mit in der Fraktion sitzen wird. Denn auch sie wurde in das Gremium gewählt.

Die CDU (24,9 Prozent) bleibt bei sechs Mandaten. Die Stadtverbandsvorsitzende Dagmar Hamann äußerte sich zurückhaltend und war zunächst einmal mit dem Ergebnis zufrieden. Etwas mehr Aufwind hatten sich die CDU aber offenbar schon gewünscht. Jens Steinert und Eric Schöniger sind für die CDU neu dabei.

Den Aufwind gibt es für die FDP, die nach dem Scheitern vor fünf Jahren diesmal 10,6 Prozent der Stimmen holte und damit zwei Stadträte stellen wird. "Viel hat nicht zum dritten Sitz gefehlt, dass wäre natürlich hervorragend für uns gewesen. Wir sind aber trotzdem zufrieden und wollen uns gezielt einbringen, um weitere Zustimmung zu erarbeiten", sagt Mario Müller aus dem Ortsverband, der zusammen mit Axel Vogel in den Rat einzieht. An eine andere Partei anhängen wollen sich die Liberalen nicht. Entscheidungen werden laut Müller in der Sache gefällt.

Für die Linken (3 Sitze) und die SPD (4 Sitze) ändert sich nicht viel. "Das war gegen den deutlich negativen Trend der SPD insgesamt", kommentiert Jürgen Hofmann, der aber bedauert, dass die für den Bürger positive Politik der Sozialdemokraten nicht mehr Zustimmung bekommt. Neu in der SPD-Fraktion sind der Rödlitzer Ortsvorsteher Lutz Weißpflug und Martin Kleindienst, von denen sich Hofmann positive Akzente erhofft.

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