AfD will Schritte gegen Mitglied einleiten

Der Ehemann der Ex-Kreisvorsitzenden soll im Netz vielfach Gewaltfantasien geäußert haben. Das könnte Folgen haben.

Zwickau/Waldenburg.

Einen Tag nach der Ankündigung der Parteispitze, strenger gegen Mitglieder mit extremen Haltungen vorgehen zu wollen, möchte der Zwickauer AfD-Kreisverband in einem konkreten Fall tätig werden. Der neue Vorsitzende Stefan Frünke sagte der "Freien Presse" am Dienstag, er werde den Landesvorstand einschalten, um Maßnahmen gegen ein Mitglied des Kreisverbands einleiten zu lassen, das im Internet wiederholt Gewaltfantasien gegen Politiker und Minderheiten geäußert haben soll. Es geht um den Waldenburger Detlef Klatt, den Ehemann der Ex-Kreisvorsitzenden Janin Klatt-Eberle, die erst vor einer Woche zurückgetreten ist.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte das Zwickauer Grünen-Mitglied Wolfgang Wetzel. Er veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite einen Ausschnitt aus dem russischen Netzwerk vk.com, auf dem sich ein Profil namens "Klatt Detlef" über den Tod eines Journalisten im Hambacher Wald folgendermaßen äußert: "Schön, eine Dumpfbacke weniger bei den Lügenmedien." Daraufhin, sagt Wetzel, habe er Post von Klatts Anwalt bekommen, der wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung 1000 Euro Schadenersatz fordere. Wetzel hatte dem Beitrag Klatts Profilbild beigefügt, was laut dem Abmahnungsschreiben aber ein Privatbild sei.

Wetzel machte auch die Abmahnung publik. Sein Beitrag ist inzwischen 13.000-mal geteilt worden, unter anderem von Fernsehmoderator Jan Böhmermann. Nutzer haben daraufhin eine Sammlung von Zitaten zusammengestellt, die unter Klatts Namen in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden und die teils unverhohlene Aufrufe zu Gewalt beinhalten. Wetzels Beitrag enthält allerdings einen Fehler: Er bezeichnet Klatt als Mitglied des sächsischen AfD-Landesvorstands. Das stimmt nicht, allerdings hat Klatt eine andere Funktion im Landesverband inne: Er ist Ersatzrichter im Landesschiedsgericht, also ausgerechnet dem Gremium, das über Maßnahmen gegen Mitglieder entscheidet. AfD-Kreischef Frünke bezeichnet die gesammelten Aussagen als völlig inakzeptabel. "Die AfD steht für eine Veränderung in unserem Land, aber keinesfalls für Menschenverachtung oder Aufruf zur Gewalt", sagt er. Allerdings verweist Frünke darauf, dass erst geklärt werden müsse, ob diese teils Jahre zurückliegenden Äußerungen tatsächlich von Detlef Klatt stammen. Klatt selbst lässt Fragen dazu unbeantwortet, ebenso wie die Frage, wieso das Profil auf dem russischen Netzwerk inzwischen nicht mehr öffentlich einsehbar ist. Stattdessen schreibt er: "Ich bitte Sie, richtig zu recherchieren und nicht ungeprüft Behauptungen und Gerüchte zur Wahrheit zu postulieren." Worauf genau er sich damit bezieht, sagt er nicht. Außerdem verweist er darauf, dass Gerichte sowie seine Anwälte die Angelegenheit mit Wetzel klären würden. Neben dem AfD-Kreisverband geht auch Klatts eigene Ehefrau auf Distanz. In einer Stellungnahme an die "Freie Presse" schreibt Janin Klatt-Eberle, dass "meinerseits auch zu ihm ein politischer Dissens besteht."


Äußerungen unter dem Namen Detlef Klatt in sozialen Netzwerken

Zum Tod eines Journalisten im Hambacher Wald: "Schön, eine Dumpfbacke weniger bei den Lügenmedien."

Über Globalisierungskritiker in Frankfurt: "5 von diesen Strolchen erschießen und Ruhe ist."

Über einen Autoclub: "Wenn das stimmt, was der ADAC hier publiziert, sollten wir uns mit Knüppeln bewaffnen und den Politikern und Umweltfreaks die Hirnrinde massieren."

Zum Zentralrat der Muslime: "Ich hab da so ein Problem mit Zentralräten und denke man sollte sie ausrotten wie Unkraut."

Zu einem Brand in einer Moschee: "Der Islam wurde 3 mal in der Geschichte Europas blutig und nachhaltig zurückgeschlagen und dafür wird es wieder Zeit."

Über Migranten, welche die spanische Grenze gestürmt haben: "Verstehe nicht, warum die stolzen Spanier nicht mit Schnellfeuerwaffen reinhalten."ael

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