Ahlbecker auf Spurensuche rund um "Goldfisch" und "Oluba"

Sie kehren heim - wenn auch zunächst nur für einen Tag: Badeanzüge einstiger Textilhersteller aus Oberlungwitz. Die Stadt könnte bei künftigen Expositionen historischer Badekultur eine tragende Rolle spielen.

Oberlungwitz.

Der Ahlbecker Jürgen Kraft hat den 3. April dick im Kalender angestrichen. An diesem Tag strandet der passionierte Bademodensammler von der Insel Usedom im Vereinshaus "Zur Post" in Oberlungwitz. In seinem Gepäck hat der 54-Jährige ungefähr 50 Badeanzüge aus der Produktion einstiger Oberlungwitzer Textilfirmen mit den Traditionsmarken "Goldfisch" "Oluba" und "Sporett". Damit geht er auf "Spurensuche".

Denn Kraft ist mehr als nur ein Sammler im gewöhnlichen Sinn. Auch wenn er nach eigenem Bekunden seit ungefähr 25 Jahren bereits mehr als 350 Badeanzüge, -hosen und Bikinis zusammengetragen hat. Auf Flohmärkten, in Internet-Auktionshäusern und in Trödler-Geschäften stöbert er nach allerlei alten Sachzeugen der Badekultur. Aber der Usedomer will mehr. "Ich versuche, vor Ort so viel wie möglich über Bademode und deren Herstellung zu erfahren", erzählt er. Dieses Hobby treibt ihn quer durch die Republik. Und beschert ihm bundesweit Aufmerksamkeit. So trägt man sich bereits im Verbund der Kaiserbäder auf Usedom, also Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin mit der Idee für eine Dauerausstellung zum Thema historische Bademoden. "Das könnte schon nächstes Jahr spruchreif sein", so Jürgen Kraft. Sogar im Museum der Badekultur, den Römerthermen im nordrhein-westfälischen Zülpich, ist man auf den Ahlbecker Sammler aufmerksam geworden. Seit 2008 zeigt das Museum 2000-jährige Kulturgeschichte des Badens in einer europaweit einzigartigen Ausstellung. Derzeit plant man dort eine Sonderschau. Verantwortlich dafür ist Theresa Zöller, wissenschaftliche Volontärin in den Römerthermen. "Das Thema soll die ostdeutsche Badekultur im Kontrast zur westdeutschen sein", sagt sie. Und betont, Jürgen Krafts Sammlungsstücke und Hintergrundinformationen gern in die Ausstellung integrieren zu wollen.

Natürlich ist der Ahlbecker an so einer Kooperation interessiert. Bei beiden Vorhaben, sowohl in den Kaiserbädern als auch in Zülpich, wird Oberlungwitz eine große Rolle spielen, ist er sich sicher. "Die Betriebe dort waren ja die Hauptproduzenten für Bademoden im Osten", sagt er. Freilich sollen die Expositionen auch Hand und Fuß haben. Stichwort Herstellungszeitraum: Bei einigen der Goldfisch-, Oluba- und Sporett-Badeanzügen fehlt ihm der zeitliche Bezug. "Es gab ja in der DDR nicht viele Kataloge. Ich habe Stücke aus Wolle, aus Wolpryla, aus Dederon - da ist kaum einzuordnen, wann die hergestellt wurden.

Jürgen Kraft hofft nun auf die Hilfe vieler ehemaliger Oberlungwitzer Näherinnen und Näher. Ihn interessieren aber auch Geschichten, Fotos, Filme und andere interessante Details rund um die Bademodenproduktion in der Stadt. "Ich hoffe, dass mir die Leute einiges erzählen. Ich bin sehr gespannt."

Das Treffen mit Jürgen Kraft findet am 3.April, ab 14 Uhr im Vereinshaus "Zur Post" an der Hofer Straße statt.

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