"Als Bürgermeister bezieht man Prügel"

Thomas Nordheim über die festgefahrene Situation mit der Daetz-Stiftung, neue Bauprojekte und die Haushaltslage in Lichtenstein

Lichtenstein.

Die Bürgermeister der Region stehen der "Freien Presse" in Sommerinterviews Rede und Antwort zur kommunalen Entwicklung und neuen Vorhaben. Markus Pfeifer hat mit Lichtensteins Bürgermeister Thomas Nordheim (54, Freie Wähler) über aktuelle Themen in seiner Stadt gesprochen.

Freie Presse: Das Daetz-Centrum hat zuletzt wieder für Schlagzeilen gesorgt. Ist die Entwicklung bis hin zur jetzigen Klage nicht auch ein Stück weit bedauerlich ?

Thomas Nordheim: Es ist bedauerlich vor allem für die Lichtensteiner Bürgerinnen und Bürger, denen vor vielen Jahren eine sich selbst tragende Aus- und Weiterbildungsstätte in Aussicht gestellt wurde. Die jährlichen Zuschüsse der Stadt über den gesamten Zeitraum hätten für den Großteil der Bevölkerung einen deutlich höheren Gegenwert in anderen Freizeiteinrichtungen näher am Bedarf haben können, zum Beispiel im ehemaligen Freibad oder im Unionhof.

Sehen Sie noch Chancen für eine Lösung ?

Seit zwei Jahren gibt es in den Verhandlungen mit der Daetz-Stiftung keine wirklichen Fortschritte. Es ist schon fast tragisch, dass Herr Daetz mit keiner Silbe auf das konkrete Angebot eingeht, dass der Stadtrat unterbreitet hat. Es gibt dafür immer neue Ansprüche von ihm. Leider ist Herr Daetz trotz seines hohen Alters der einzige Ansprechpartner, der uns seitens der Daetz-Stiftung zur Verfügung steht. Eine neue, moderne, zukunftsorientierte und bezahlbare Variante zu finden, ist damit sehr schwierig. Alles so zu belassen und davon auszugehen, mit anderer Werbung kämen zehntausende Besucher mehr, ist utopisch. Hinsichtlich der Räumungsklage gibt es einen ersten Verhandlungstermin im November, aber wir bieten nach wie vor die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung an.

Der Kreisverkehr ist seit drei Wochen offen. Wie fällt Ihr Fazit bisher aus ?

Er ist eine runde Sache. Ich bin froh, dass wir uns als Stadtverwaltung bei der Gesamtgestaltung gegen zwischenzeitlich angedachte Varianten mit weniger Fußgängerüberwegen und einem komplett asphaltierten Kreisel mit lediglich aufgezeichnetem Innenkreis erfolgreich durchgesetzt haben. Die geänderte Verkehrsregelung stellt offensichtlich kein Problem dar. Der erste Unfall stand im Zusammenhang mit dem Parken in der Glauchauer Straße außerhalb des Kreisverkehrs.

Welche aktuellen Bauprojekte laufen in der Stadt ?

Aktuell ist der zweite Bauabschnitt der Hartensteiner Straße vom Kreisverkehr bis Einmündung Badergasse im Bau. Außerdem erfolgen Verlegungen von Elektro- und Straßenbeleuchtungskabeln im Thomas-Müntzer-Weg sowie in der Webendörfer Straße. Vorbereitungen für die Umgestaltung des Schlosscenters laufen. Dort liegt die Baugenehmigung mittlerweile vor. Wenn alles glatt läuft, könnte mit dem Abriss des Parkhauses "Goldener Helm" bereits Ende August begonnen werden. Mit dem Neubau eines großen Supermarktes wird die Innenstadt gestärkt. Die Geschäfte dort können davon sicher auch profitieren.

Die Burgstraße wurde ausgebaut. Welche Bedeutung hat sie für Lichtenstein ?

Nachdem die Stadt Lichtenstein bereits 2016 ihren Abschnitt von der S 225 bis zum Aussichtssturm an der Alberthöhe saniert hatte, ist die Gemeinde Mülsen unserem Wunsch nachgekommen und hat ihren Teil bis zur Funkenburg erneuert. Einerseits ist damit das Ausflugsziel Aussichtsturm Alberthöhe deutlich komfortabler erreichbar, egal ob zu Fuß, per Rad oder mit dem Auto. Für den Individualverkehr aus und in Richtung Heinrichsort und Zwickau ist es sicher eine willkommene Ausweichvariante, was zu einer weiteren spürbaren Entlastung für die Anwohner in der August-Bebel-Straße und Poststraße in der Innenstadt führen wird.

Welche Themen beschäftigen die Verwaltung in den Sommerferien?

Die Erstellung der Ansätze für den nächsten Haushalt ab 2019 ist sehr wichtig. Außerdem werden die nächsten Veranstaltungen und Ausstellungen vorbereitet. Wir er- und überarbeiten Förderanträge von der Kultur bis zum Breitbandausbau sowie Stellungnahmen in diversen Gerichtsverfahren. Die nächsten großen Baumaßnahmen werden vorbereitet. Das sind zum Beispiel der Ausbau der Rödlitzer Straße, der Ersatzneubau für die Kita Sonnenweg und weitere Sanierungen an den Schulen.

Die Finanzen sind ja immer eine Herausforderung in Lichtenstein. Gibt es neue Entwicklungen, zum Beispiel durch aktualisierte Steuerschätzungen?

Es gibt keine besonderen Ausreißer, weder nach oben noch nach unten. Im kommunalen Frühwarnsystem des Freistaates Sachsen hat sich die Bewertung der Haushaltslage der Stadt von D (instabil) auf C (kritisch) verbessert. Am Ende des Tunnels sieht man also ein kleines Licht.

Sie sind seit drei Jahren im Amt. Ist es bisher die erwartete Herausforderung?

Die Bürger haben sehr hohe Erwartungen, da bezieht man als Bürgermeister auch viele Prügel. Damit kann ich aber umgehen. Da hilft es nur, sachlich zu bleiben. In der Kommunalpolitik sollte es keine Rolle spielen, welcher Partei jemand angehört, wenn man sich ausschließlich an der Sache orientiert. Die Erwartungen an die spannende Herausforderung haben sich also auf jeden Fall erfüllt, in einigen Bereichen sogar darüber hinaus. Ich hatte zum Beispiel gehofft, dass es im Zweckverband Gewerbegebiet "Am Auersberg /Achat" außergerichtliche Einigungsmöglichkeiten mit St. Egidien gibt und eine "große politische Lösung" vorgeschlagen wird.

Im Streit geht es also weiterhin nur auf gerichtlichem Weg?

Derzeit sehe ich keine hoffnungsvolle Alternative, die jeweils im Stadt- beziehungsweise Gemeinderat mehrheitsfähig wäre. Trotzdem suchen wir auch weiterhin den Kontakt zur Gemeinde St. Egidien. Wir sollten im Gespräch bleiben und die kleinen Chancen nutzen, die sich eventuell ergeben.

Wie machen Sie als Bürgermeister Ferien? Kann man in dem Amt überhaupt mal richtig abschalten?

In meinem Urlaub fahren wir ein paar Tage in den Süden und bereiten anschließend die Hochzeit unserer Tochter vor. Richtig abschalten ist in Lichtenstein sehr schwer. Nur wenn ich mit Kinderwagen und Enkelin unterwegs bin, gönnen mir die Lichtensteiner eine kleine Auszeit.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...