Als der Zeppelin über Westsachsen flog

Eine Familie aus Nordrhein-Westfalen hat der Stadt Oberlungwitz mehr als 400 historische Fotos geschenkt. Sie geben interessante Einblicke in die Zeit von 1915 bis 1930.

Oberlungwitz.

Es muss ein Schauspiel am Himmel gewesen sein, als in den 1920er-Jahren mehrfach Zeppeline über die Region schwebten. Aus Archiven geht beispielsweise hervor, dass das Luftschiff LZ 127 "Graf Zeppelin" am 3. Oktober 1928 aus Richtung Dresden kommend über Chemnitz und Oberlungwitz in Richtung Südwesten flog und dabei auch auch von Glauchau und Zwickau aus zu bestaunen war.

Es ist mit ziemlicher Sicherheit auch dieser 236 Meter lange "Graf Zeppelin", der auf den historischen Fotos zu sehen ist, die jetzt in der Oberlungwitzer Stadtverwaltung aufgearbeitet werden. Sie kamen schon vor ein paar Jahren als Schenkung von Familie Gehre aus Lünen in Nordrhein Westfalen in die Strumpfstadt, wo sie zunächst im Schrank schlummerten. "Mir war es wichtig, dass die Fotos aufgearbeitet werden", sagt Egbert Liesche, der für Chronik und Archiv in der Behörde zuständig ist. Mit Unterstützung des Unternehmers Albrecht Mugler wurden die Fotoplatten digitalisiert. Die Dateien benannte Liesche dann vor allem nach dem, was sie zeigen, denn allzu viele Informationen gibt es zu den Bildern, die demnächst vielleicht auch in einer kleinen Ausstellung gezeigt werden, nicht.

Bei einem Sachsenring-Motiv konnte der Hohenstein-Ernstthaler Stadtchronist Wolfgang Hallmann helfen. "Das Foto stammt vom Badberg-Vierecks-Rennen. Es wurde am 26. Mai 1927, dem Himmelfahrtstag, aufgenommen. Das Bild zeigt Fahrer Willi Weichel aus Oelsnitz mit Schmiermaxe", ist sich Hallmann sicher. Weichel gewann an diesem Tag das Rennen in der Klasse F der Seitenwagen bis 600 Kubikzentimeter. "Weiterhin zeigt das Bild die ganz alte Queckenbergkurve mit dem steinernen Wegweiser. Erst 1937 wurde die Queckenbergkurve ausgebaut", ergänzt Hallmann.

Er hat sich auch die Fotos mit dem Zeppelin genauer angeschaut. In der Sammlung wurden mindestens zwei verschiedene Zeppelinüberflüge dokumentiert, da auf den Fotos der unterschiedliche Baufortschritt der Siedlung im Bereich der Robert-Koch-Straße und der Gartenstraße in Oberlungwitz zu erkennen ist. Auf einigen Bildern ist auch der Kirchturm zu sehen, der 1923 um sieben Meter erhöht wurde. Dadurch wird klar, dass die Fotos nach 1923 entstanden sein müssen. Ab 1933 waren Hakenkreuze auf den Zeppelinen sichtbar. Sie fehlen aber auf den fotografierten Exemplaren.

Es wird davon ausgegangen, dass die insgesamt mehr als 400 Fotos zwischen 1915 und 1930 entstanden sind. Viele haben eine erstaunliche Qualität. Sie zeigen neben Ortsansichten auch Menschen in Alltagssituationen. Charlotte Gehre, die die Bilder der Stadt geschenkt hat, stammt aus der Familie Rudloff, die in Oberlungwitz im Eckhaus an der Brücken-/Robert-Koch-Straße gewohnt hat. Die Robert-Koch-Straße hieß früher Bahnerstraße, eine Verbindung zur gleichnamigen Unternehmerdynastie. Das Haus, das heute noch steht, ist ebenfalls auf historischen Aufnahmen zu sehen.

Auf einem Bild ist eine Roma-Frau abgebildet, die mit einem echten Tanzbären durch den Ort gezogen ist, was sicherlich für viel Aufsehen sorgte. Der Motorradfahrerclub, der bei einer Ausfahrt im Jahr 1929 vor der Windmühle in Hohenstein-Ernstthal zu sehen ist, war zu dieser Zeit sicher auch kein alltäglicher Anblick. Etwas Besonderes war die Überlandstraßenbahn, die von 1913 bis 1960 zwischen Hohenstein-Ernstthal und Oelsnitz verkehrte. Der Hobbyfotograf hat sie in den 1920er-Jahren im Winter an der Uhlig-Mühle abgelichtet. Über den Triebwagen mit der Nummer 2 kann Hallmann berichten, dass er 1912 gebaut wurde und 18 Sitz- sowie 16 Stehplätze hatte. Nach der Stilllegung der Strecke sei er als Hühnerstall genutzt worden.

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