Amerikaner bäckt Plätzchen für Deutsche

Ian Freshwater aus den USA arbeitet derzeit als Fremdsprachenassistent in Zschocken und Lichtenstein. Er ist fasziniert von der Adventszeit in der Region und vom deutschen Wort Gemütlichkeit.

Zschocken/Lichtenstein.

Bei Ian Freshwater, einem jungen US-Amerikaner, Englisch zu lernen, finden die Dritt- und Viertklässler der kleinen Grundschule in Zschocken toll. Der 22-Jährige unterrichtet seit September gemeinsam mit der Englischlehrerin die Kinder. "Ein Muttersprachler ist immer etwas Besonderes, und ein US-Amerikaner eher ein Exot hier auf dem Dorf. Außerdem ist er der einzige Mann, der an dieser Schule unterrichtet", sagt Englischlehrerin Andrea Winter. "Nicht nur die Kinder profitieren, sondern auch Ian und wir als Pädagogen an der Grundschule."

Die Kinder freuen sich immer schon auf die Englischstunden mit ihm. "Er spricht ein lustiges Deutsch", berichtet Lewin Keller aus der dritten Klasse. Und Silas Grabner erzählt, dass er neben der englischen Sprache durch ihn auch viel über England und die USA erfährt. Pauline Schubert sagt: "Es ist spannend, eine andere Sprache zu lernen und von ihm gleich die richtige Aussprache zu hören."

Warum der junge Mann vom Stadtrand von Kalamazoo im US-Bundesstaat Michigan gerade nach Zschocken gekommen ist? "Bei uns geht es auch eher ländlich zu. Wir haben zu Hause Pferde, Ziegen, Hunde und Katzen", sagt er. "Außerdem kann ich hier sowohl an dieser Grundschule als auch am Lichten-steiner Gymnasium als Fremdsprachenassistent arbeiten. Das hat mich gereizt. So lerne ich beide Schularten kennen." Schulleiterin Ute Siegert nickt: "Diese Kombination ist genial und hat vor Ian auch schon andere Muttersprachler begeistert. Seit 2010 ist er der sechste Fremdsprachenassistent, der in unserer kleinen Schule gemeinsam mit der Englischlehrerin unterrichtet."

Der Amerikaner ist fasziniert von der Adventszeit hier. "Ich liebe es, auf dem Zwickauer Weihnachtsmarkt Glühwein zu trinken. Mir gefallen die vielen geschmückten Häuser, die in der Dunkelheit leuchten. Da gibt es viel Tradition", sagt er. "In meiner Heimat leuchten auch viele Lichter, aber alles ist bunter und nicht so traditionell." Ian Freshwater berichtet, dass er auf alle Fälle ein Stück Erzgebirge mit nach Hause nehmen will. "Schwibbogen, Pyramide und Räuchermann", zählt er auf. "Vielleicht auch ein Stollenrezept. Ich liebe den Rosinenstollen."

Um mal zu zeigen, welche Plätzchen bei ihm zu Hause in der Weihnachtszeit gegessen werden, hat sich der junge Mann extra zwei Rezepte von seiner Oma schicken lassen und gebacken. Die Kinder, die sie probiert haben, waren begeistert vom Erdnussbutter-Geschmack.

Das Interesse an der deutschen Sprache ist bei dem Amerikaner erst vor vier Jahren geweckt worden. "Da hatte ich eine Freundin, die Deutsch lernte", berichtet er. "Ich war gleich begeistert von der Sprache und der Grammatik. 2017 war ich im Sommer schon einmal in Deutschland und zwar in Bonn." Jetzt hilft der junge Mann nicht nur Schülern beim Erlernen der englischen Sprache, sondern verbessert gleichzeitig sein Deutsch weiter. Auch Sächsisch kann er schon ein bisschen. "Nee war das erste Wort, das ich hier gelernt habe, dann kam zwee", erzählt er lachend. Fasziniert ist Ian Freshwater von Wörtern, für die es keine englische Übersetzung gibt. "Gemütlichkeit ist so eins", sagt er.

Der 22-Jährige wohnt in einer WG in Zwickau, weil er von dort aus gut sowohl in die Grundschule nach Zschocken als auch zum Lichten-steiner Gymnasium kommt. Jetzt zu Weihnachten ist er aber für kurze Zeit nicht in Westsachsen, aber auch nicht bei seiner Familie, obwohl dort derzeit im Gegensatz zu Sachsen viel Schnee liegt. Er ist vielmehr mit einer Freundin, die in Lengenfeld als Fremdsprachenassistentin arbeitet, in deren Heimat nach Irland gefahren. "Das ist nicht ganz so weit wie zu meiner Familie", saget er.

Wenn Ian Freshwater im Mai zurück in die USA geht, will er nach Biologie und internationaler Kultur noch internationale Wirtschaft und Politik studieren. "Und ich hoffe, anschließend nach Deutschland zurückkehren und hier arbeiten zu können."

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