Angebot: Gärtnern auf Probe

Ein Kleingartenverein hat eine Offensive gegen den Leerstand eingeleitet: Ein halbes Jahr können Einsteiger das Leben eines Hobby-Gärtners testen. Festlegen müssen sie sich erst danach.

Meerane.

Die ersten Schneeglöckchen sprießen bereits neben dem Zaun. Rosen, Johannisbeersträucher und Apfelbäume warten nur darauf, nach dem langen Winter zu erblühen. Über der Terrasse hängt eine bunte Lichterkette, die an warme Sommerabende unter freiem Himmel erinnert. Der Garten, der sich in der Kleingartenanlage Obst- und Gartenbau an der Äußeren Crimmitschauer Straße in Meerane befindet, steht erst seit Kurzem leer. Vorher hat ihn ein älteres Ehepaar aus Glauchau gepflegt.

"Es ist wirklich ein besonders schöner Garten", sagt Birgit Gehrke, Vorsitzende des Gartenvereins, während sie einen Blick in den Schuppen wirft. Er ist einer von elf Gärten, die derzeit nicht verpachtet sind. Insgesamt gibt es in der Anlage 86 Gärten, deren Größe zwischen 240 und 350 Quadratmetern variiert. Damit sich kein Leerstand in der Gartensparte ausbreitet, hat der Verein ein neues Projekt gestartet: Ab März oder April können Einsteiger das Hobby-Gärtnern ein halbes Jahr für 10 Euro ausprobieren. Erst danach müssen sie sich entscheiden, ob sie das Grundstück weiterhin pachten möchten. Die Kosten können je nach Gartengröße zum Beispiel bei rund 30 Euro pro Jahr liegen. Hinzu kommen Mitgliedsbeiträge im Verein und Nebenkosten für Wasser und Strom. Laut Gehrke ist nichts schlimmer für eine Kleingartenanlage als immer mehr Gärten, die zusehends verwildern. An sich steht der Verein nicht schlecht da. Die Hälfte der Pächter besteht aus jungen Familien, die dort einen Ausgleich zum Arbeitsalltag suchen. "Wir denken aber auch an die Zukunft", sagt Gehrke. Denn die meisten anderen Gärtner befinden sich bereits im hohen Alter. Nachfolger werden also dringend gesucht.

Dass der Leerstand in etlichen Gartensparten zum Problem wird, bestätigt Uwe Jakobeit, Geschäftsführer des Regionalverbandes Werdau/Glauchau der Gartenfreunde. Das Konzept der Schnupperverträge hat er bereits bei anderen Vereinen erlebt. "Einen Versuch ist es wert", sagt Jakobeit. Er weist jedoch darauf hin, dass auch die Neulinge die Regeln der Kleingärtner einhalten müssen. So ist es vorgesehen, dass ein Drittel der Fläche mit Blumen, Gemüse oder Kräutern bepflanzt wird. Zudem muss eine gewisse Anzahl an Arbeitstunden pro Jahr für die Gemeinschaft geleistet werden. Tierhaltung sei generell verboten. Ausnahmen gelten nur für jene Gärtner, die seit etlichen Jahren zum Beispiel Vögel halten.

Eine erste Resonanz hat es auf die Schnupperverpachtung in Meerane bereits gegeben. So hat sich die Diakonie gemeldet, um eventuell einen Garten für eine syrische Familie zu übernehmen. Eine weitere Familie interessiert ebenfalls für einen der leerstehenden Gärten. Wichtig ist der Vereinsvorsitzenden vor allem, dass die Einsteiger Spaß an der Gartenarbeit haben und es mögen, ihre Zeit im Grünen zu verbringen. Aber auch die Gemeinschaft spielt eine Rolle: So helfen sich die Gärtner gegenseitig, verleihen Geräte und treffen sich regelmäßig. Skatwettbewerbe in der ansässigen Gaststätte zählen zum Beispiel zu den beliebtesten Veranstaltungen des Vereins.

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