Angeklagter fehlt - Richter lässt Verfahren fallen

Ein mutmaßlicher Dieb erschien nicht zur Verhandlung, der Amtsrichter hatte drei Optionen

Hohenstein-Ernstthal.

Leicht angesäuert betrat Michael Respondek, Richter am Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal, den Saal 219. Eigentlich sollte dort am Donnerstagmorgen ein mutmaßlicher Dieb auf der Anklagebank Platz nehmen. Doch der blieb dem Prozess fern. "Mein Gott, geht mir das wieder auf den Keks", sagte Respondek kurz nachdem er auf dem Richterstuhl Platz genommen hatte. Fast jeden Tag gebe es ein bis zwei Verhandlungen, wo zwar Staatsanwälte, Verteidiger und manchmal sogar ein halber Saal voller Zeugen erscheint. Doch von den Angeklagten fehle jede Spur.

Respondek hatte die Wahl, den Angeklagten vorführen zu lassen. Das hätte geheißen, Polizisten hätten zu dem mutmaßlichen Dieb nach Hause fahren und ihn abholen müssen. In diesem Fall wäre "zu Hause" ein Asylbewerberheim in Plauen gewesen. "Den treffen die aber dort aber eh nicht an", sagte Respondek. Die andere Möglichkeit: Haftbefehl ausstellen. Auch das wäre mit Aufwand verbunden. Am Ende entscheidet sich Respondek, das Verfahren fallen zu lassen. Denn der mutmaßliche Dieb hatte von einem anderen Gericht bereits eine Haftstrafe von acht Monaten ohne Bewährung wegen mehrerer Diebstahlsdelikte aufgebrummt bekommen. "Selbst wenn wir ihn hier verurteilt hätten, hätte das am Gesamtstrafmaß kaum etwas geändert", so Respondek. (akli)


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    KTreppil
    31.01.2020

    Wenn das Schule macht werden wohl noch weniger zu solchen Terminen erscheinen.