Anruf 2001 im Jugendhaus: "Herr Becker, wir haben Geld übrig."

Das Jugendhaus "Off is" Hohenstein-Ernstthal gibt es ein Vierteljahrhundert. Das wird am Wochenende auf dem Pfaffenberg zünftig gefeiert - vor allem mit viel Musik.

Hohenstein-Ernstthal.

An die Aufbruchstimmung im Jugendhaus Mitte der 1990er-Jahre erinnert sich Lothar Becker sehr gern: "Wir hatten drei Proberäume, einen Saal, jede Menge Platz und viel Enthusiasmus. Es gab noch keine Handys, man musste sich also noch treffen, wenn man Kontakt haben wollte. Alle haben beim Renovieren mit angepackt. Wir hatten jeden Tag 30 junge Leute hier." Hier - das war das Haus Conrad-Clauß-Straße 11, wo heute das Amtsgericht seinen Sitz hat.

Die damals im Club aus und ein gingen, haben heute selbst Familien und Kinder. Am Sonnabend wollen es alle beim Fest anlässlich 25 Jahre Jugendhaus "Off is" richtig krachen lassen. Auf der Freilichtbühne am Pfaffenberg geht die Post ab. 18 Uhr ist Einlass, 20 Uhr geht es richtig los. Die Bands Destiny Day, Mut zur Hässlichkeit und Hirox spielen. Ein Schmankerl liefert außerdem Karsten Hill alias Casale, ein Mann mit italienischen Wurzeln, mit seinem Solo-Projekt. Ganz besonders freut sich Becker auf die alten Mitstreiter der ersten Musical-Projekte.

Lang ist's her. Alles begann damit, dass die Band Dirty Spoons einen Probenraum suchte. Die Stadt Hohenstein-Ernstthal stellte drei Leute ein, die den Jugendclub führen sollten. "Ich bin erst ein halbes Jahr nach der Gründung dazugestoßen, hatte meinen Job beim Jugendamt in Chemnitz aufgegeben", erinnert sich Becker.

Im Club gründeten sich damals Bands. Damals wurde das Festival Voice of Art ins Leben gerufen. "Wir feierten die legendären Hexenfeste im Indianercamp am Pfaffenberg, veranstalteten sogar Solidaritäts-Feste fürs Tierheim. Da kamen 3000 bis 4000 Mark zusammen", erinnert sich Becker. Damals war die Arbeitslosigkeit hoch. Die Jugendlichen fanden im Club Ansprechpartner, wenn es zu Hause, in der Schule, bei der Lehre oder in den Cliquen Probleme gab. "Ansprechpartner sind wir noch immer", betont Becker. Manchmal arbeiten im Haus Jugendliche, die vom Gericht zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert wurden.

2001 verlängerte der Münchner Besitzer der Immobilie den Vertrag nicht. Der Club musste raus, fand im ehemaligen Stasi-Gebäude und späteren, aber inzwischen leergezogenen Ärztehaus eine Bleibe. Das Spiel begann erneut: Probenräume, Aufenthaltsräume, Spielzimmer, Gitarrenunterricht und ein Glücksfall. "Es war irgendwie kurios. Da rief einer vom Regierungspräsidium an und sagte, sie hätten noch so viel Geld übrig, das zu vergeben wäre." Becker stürmte förmlich mit seiner Jugendhaus-Truppe zum ersten Musical-Projekt, bekam alles gefördert: Technik, Räume, Instrumente, Verstärker, Kulissen und die Aufnahmen im Studio für eine CD. Becker stürzte sich in die Arbeit, schrieb Texte und Musik zu "Busstop-Memories". 13 Aufführungen zogen die Hobby-Darsteller durch. Das war der Startschuss für die Finanzspritzen vom Kulturraum, die die Truppe bis heute für ihre Musical-Projekte bekommt. Ein warmer Geldregen wie damals vom Regierungspräsidium ist heute Utopie. "Wir freuen uns schon, dass die Stadt uns für die Feier zum 25-Jährigen die Freilichtbühne kostenlos zur Verfügung stellt", sagt der Jugendhauschef.

Am Sonnabend ist auch jene Band mit von der Partie, die bei den Musical-Projekten regelmäßig mit auf der Bühne steht. "Vielleicht spielen wir auch ein paar Musical-Titel", sagt Becker. Die Besucher können sich davon selbst ein Bild machen. Der Eintritt ist kostenlos.

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