Asylbewerber sollen Gäste in Tuchfabrik führen

Mit Blick auf die Landesausstellung werden Freiwillige geschult

Crimmitschau.

Silvia Schumann ist noch ein bisschen skeptisch, ob Nawroz Rezaye auch ihre Ausführungen versteht. Der 46-jährige Mann aus Afghanistan lebt seit einiger Zeit in Deutschland und wartet auf die Bearbeitung seines Asylantrages. Solange will er nicht sinnlos in den Tag hineinleben, sondern etwas tun. Er und weitere Landsleute haben sich auf einen Aufruf des Fördervereins der Tuchfabrik gemeldet und nehmen an einer Schulung teil, die sie befähigen soll, Besuchern des Museums die vorhandene Technik zu erklären und vorzuführen. Noch ist Nawroz Rezaye auf die Hilfe seines 16-jährigen Sohnes angewiesen, der inzwischen schon sehr gut Deutsch spricht und seinen Vater bei den Schulungen begleitet und für ihn übersetzt. Der 46-Jährige war in Afghanistan in der Textilindustrie beschäftigt und verfolgt mit Interesse die Erläuterungen von Silvia Schumann. Sie gehört zum Team von vier Mitarbeitern, die Besucher durch das Haus begleiten.

"Vier Leute reichen nicht aus, um den Bedarf abzudecken. Mit Blick auf die Landesausstellung, die 2020 stattfindet und bei der die Tuchfabrik eine der teilnehmenden Einrichtungen sein wird, benötigen wir Unterstützung", sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Ulrich Wolf. Doch das ist nicht das einzige Problem. Die Helfer werden älter und scheiden aus. Damit geht auch immer mehr Wissen verloren. "Irgendwann gibt es niemanden mehr, der die alte Technik beherrscht. Dem wollen wir beizeiten gegensteuern, auch wenn momentan noch keine akute Gefahr besteht", sagt Wolf.

Der Vereinschef hatte in Absprache mit der Leiterin der Tuchfabrik, Jana Kämpfe, im September einen Aufruf gestartet. Zehn Interessenten hatten sich daraufhin gemeldet, darunter drei Asylbewerber. Innerhalb eines zehnwöchigen Kurses sollen die Interessenten für ihr neues Ehrenamt fit gemacht werden. Inzwischen ist Halbzeit. Acht Interessenten halten noch zur Stange. Dazu gehören die drei Männer aus Afghanistan. "Bilanz gezogen wird am Schluss. Wenn am Ende nur drei oder vier Leute übrig bleiben sollten, wäre uns schon geholfen", sagt Silvia Schumann.

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