Auf und Ab in der Hohensteiner Innenstadt

Bis zum Jahresende schließen wieder zwei Läden in der Weinkellerstraße. Um das Sterben der Geschäfte zu beenden, seien auch die Kunden gefragt.

Hohenstein-Ernstthal.

Noch immer reiht sich an der Weinkellerstraße in Hohenstein-Ernstthal ein Laden an den anderen. Doch die Lücken werden größer. Dass in den vergangenen Jahren immer mehr Geschäfte aufgaben und Ladenflächen weiterhin leer stehen, ist kaum zu übersehen. Nun wird zum Ende des Jahres auch die Pfenniginsel schließen. Zum 31. Dezember sei der Mietvertrag gekündigt, bestätigt Christina Weinhold. Hohe Mieten, sinkende Einnahmen und die Schwierigkeit, Personal zu finden, nennt die Chefin als Ursachen.

Auch bei Eisenwaren Hoppe hat der Ausverkauf begonnen. Die Regale werden leerer, am 30. November soll endgültig Schluss sein. "Es ist wirklich schade, dass der Laden zumacht", sagt ein Kunde, der gerade noch einen Satz Schrauben gekauft hat - mit 50 Prozent Rabatt. Hinter der Theke steht Nancy Findeklee und bedient. "Ich glaubte, das wäre was", dachte sich die Eigentümerin, als sie den Laden im März 2017 übernommen hatte. Der Vorbesitzer, Uwe Hoppe, hatte die Idee entwickelt, alles was Mann oder Frau so im Haushalt benötigt, unter einem Dach zu verkaufen. "Und die Schrauben gibt es bei uns einzeln. Kein anderes Geschäft hier hatte das", sagt Hoppe. Über viele Jahre sei das Konzept aufgegangen. Jung und Alt kamen in den Laden, wenn mal schnell etwas benötigt wurde. Und das sei ziemlich häufig vorgekommen. Doch nun klagt Findeklee. Die Kunden werden weniger. Und wenn sie kommen, dann oft nur, um den Hermes-Paketservice zu nutzen oder Lottoscheine zu kaufen. Für Findeklee ist die Sache klar: Sie möchte wieder als Angestellte im Verkauf arbeiten. Das bedeute ein besseres Einkommen und weniger Stress.

Ursachen für die Entwicklung gebe es viele. Marion Tischendorf ist stellvertretende Vorsitzende des Gewerbevereins und betreibt das Modegeschäft Chestin. Ihrer Meinung nach habe die Stadt verschlafen, ein Konzept für die Weinkellerstraße zu entwickeln. Die älter werdende Bevölkerung, das Internet und die Edeka-Märkte, der alte und der neue, hätten ihr übriges getan. Tischendorf fasst zusammen: "Wer hier noch ein Geschäft betreiben möchte, braucht ordentlich Optimismus."

Einer, der den hat, heißt Frank Weigel. Sein Spezialitäten- und Geschenkeladen liegt an der Dresdner Straße, nicht weit vom Eisenwarenhandel Hoppe entfernt. Beim Betreten des Ladens schlägt dem Besucher ein wohltuender Duft in die Nase: "Das ist eine Mischung aus verschiedenen Tee- und Kaffeesorten, die wir hier anbieten", erklärt der Inhaber. Frank Weigel betritt den hinteren Bereich des Ladens. Vor drei Jahren ließ er hier umbauen. An der Wand hängt nun eine hölzerne Tür. 170 Jahre hat die auf dem Buckel, so lange gibt es auch das Gebäude schon. "Früher war das die Eingangstür", erzählt Weigel, Das Geschäft leitet er in vierter Generation.

Und der Laden läuft. Wie Weigel das hinkriegt? Natürlich müsse man wissen, was die Kunden wollen. Aber das reiche nicht "Sie müssen auch mal überraschen, etwas verrückt sein." Daher ist der 49-Jährige ständig auf Messen in ganz Europa unterwegs und halte auch so die Augen offen. "Ich wechsele alle vier Wochen Teile des Sortiments." Das Ergebnis - Pralinen aus Riga, Spanischer Schaumwein, sächsische Qualitätsprodukte. Dazu gehört auch ein besonders zu DDR-Zeiten populäres Back-Zitronat. Den schleichenden Niedergang der Weinkellerstraße sieht Weigel auch in zunehmender Sparwut begründet. "Es ist wichtig, den Inhabern und Herstellern auch mal den gerechten Lohn für ihre Arbeit zu gönnen." Ansonsten bräuchten die Leute sich nicht beschweren, wenn ein Laden nach dem anderen schließt.

Manchmal laufen Dinge mal nicht so gut. "Die Reformwarenabteilung haben wir reduziert, als wir merkten, dass immer mehr Supermärkte das ins Angebot genommen hatten." Doch als kleiner Laden könne man immer schnell reagieren. Durch Zufall wurde Weigel etwa vor 20 Jahren Duftkerzen aufmerksam, die es bis dato nur in den USA gegeben hatte. Das Besondere daran: Durch den hölzernen Docht würden sie beim Abbrennen knistern wie ein Kamin. "Die Dinger sind seit 20Jahren ein Dauerbrenner", sagt Weigel.

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